Aktueller Wohnungsbau in Worb – eine Chance für unsere Finanzen?

Worb ist eine attraktive Wohngemeinde. Die Nähe zu Bern, eine gute Infrastruktur, Schulen, Vereine und ein aktives Dorfleben machen unsere Gemeinde zu einem gefragten Wohnort. Damit dies so bleibt, braucht es genügend Wohnraum für Familien, junge Erwachsene, Seniorinnen und Senioren sowie für Menschen, die neu nach Worb ziehen möchten.
Als Mitglied der Baukommission und des Parlaments erlebe ich, wie anspruchsvoll die Entwicklung neuer Wohngebiete ist. Es gilt, die Bedürfnisse der Bevölkerung, die Anforderungen des Kantons, den Schutz unserer Landschaft und die Anliegen der Grundeigentümer in Einklang zu bringen. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl neuer Wohnungen, sondern deren Qualität: gut erschlossene Quartiere, attraktive Freiräume, sichere Fuss- und Veloverbindungen sowie eine sorgfältige Einbettung in das bestehende Ortsbild.
Eine vorausschauende Wohnbaupolitik stärkt unser lokales Gewerbe, sichert Arbeitsplätze und trägt dazu bei, dass Schulen, Geschäfte und Vereine lebendig bleiben. Wachstum ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage dafür, dass Worb auch künftig ein lebenswerter Ort für alle Generationen bleibt.
In den nächsten zwei Jahren werden in der Gemeinde über 350 Wohnungen realisiert. In Rüfenacht sind die Projekte Hinterhaus, Zur alten Linde und Dorfmattweg mit insgesamt 86 Wohnungen bereits im Bau. Hinzu kommen im Zentrum von Worb die Projekte Comat-Areal, Sternenmatte, Areal Braui, Sonnhalde/Sunnebode, das ehemalige Chäsi-Areal beim Migros-Kreisel sowie die Überbauung an der Enggisteinstrasse.
Mit dieser Bautätigkeit verbindet Worb auch die Hoffnung auf eine dringend benötigte Zuwanderung. Neue Einwohnerinnen und Einwohner tragen dazu bei, die Steuerbasis zu stärken und langfristig zu verhindern, dass die Steuereinnahmen sinken oder der Steuerfuss erhöht werden muss. Zwar präsentieren sich die Gemeindefinanzen derzeit erfreulich – im vergangenen Jahr konnte ein Ertragsüberschuss von CHF 668 034 erzielt werden. Dieses Resultat darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein erheblicher Investitionsstau besteht und in den kommenden Jahren grosse Sanierungsprojekte anstehen, beispielsweise die laufende Sanierung des WOBO-Schulhauses.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: Die geburtenstarken Babyboomer-Generationen treten nach und nach in den Ruhestand. Damit verliert die Gemeinde zahlreiche gut ausgebildete Fachkräfte mit entsprechend hohen Einkommen und Steuerleistungen. Diese Entwicklung wird sich auf die Steuererträge auswirken.
Genau darin liegt die Chance für Worb. Mit einer massvollen Zuwanderung kann dieser Rückgang zumindest teilweise aufgefangen werden. So schaffen wir die Voraussetzungen, um notwendige Investitionen in unsere Infrastruktur zu finanzieren und öffentliche Sanierungen auch künftig möglichst ohne Steuererhöhungen zu realisieren.

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Rolf Hager, Mitglied Parlament und Baukommission

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