Aus dem Regranulat entsteht neues.Bild: zvg

Bring Plastic Back: Sammelmenge steigt weiter

Wiederholt wurde Worb mit dem Umweltzertifikat der InnoRecycling AG ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr wurden in unserer Gemeinde 35 688 kg Haushaltskunststoff gesammelt. Im Vergleich zu 2024 wurden 1588 kg mehr zu den Sammelstellen gebracht, damals wurden 34 100 kg dem Recycling zugeführt.

Das Kunststoffsammelsystem «Bring Plasic Back» im Kanton Bern kann als etabliert betrachtet werden. Die Berner Recyclinglösung – unterstützt von der AVAG Umwelt AG – ist im Mai 2023 mit 50 Gemeinden gestartet. Aktuell wird der Plastiksammelsack in 216 Berner Gemeinden genutzt.
Im stofflichen Recycling ersetzt die 2025 in Worb gesammelte Menge 17 844 kg Neumaterial, womit 53 532 l Erdöl eingespart werden kann. Mit dem daraus gewonnenen Regranulat können beispielsweise 13 941 m Kabelschutzrohre hergestellt werden. Die nicht recyclebaren Mischkunststoffe wurden der Zementindustrie als Ersatzbrennstoff zugeführt, womit 17 826 kg Stein- oder Braunkohle ersetzt werden konnten.

Die Kehrseite der Medaille
Auf Worb heruntergebrochen klingt das sehr gut. Doch im europäischen Vergleich gehört die Schweiz mit einem Plastikverbrauch von rund 127 kg pro Kopf und Jahr zu den Spitzenreiterinnen. Dagegen steht bei den Kunststoffen eine Recyclingquote von ca. 10 %. Auch wenn die Schweiz bei PET-Flaschen auf eine Sammelquote von über 80 % kommt, ist da noch viel Luft nach oben. So praktisch Plastik im Alltag ist und auch wenn die Recyclingquoten weitersteigen, bleiben Kunststoffe problematisch. Ob in Gewässern, an Land oder in menschlichen Körpern, überall wird inzwischen Mikroplastik nachgewiesen. Dazu kommt, dass Kunststoffe bei jedem Recyclingvorgang an Qualität einbüssen. Anders als Glas oder Aluminium, die theoretisch unbegrenzt recycelbar sind, kann Plastik also nicht endlos recycelt werden. Ebenso fehlt es noch an effizienten Lösungen um Mischplastik zu recyceln, diese Stoffe sind nur schwer trennbar und enden zum grössten Teil in der Verbrennung. Wobei hier nicht unterschlagen werden darf, dass viele Kehrichtverbrennungsanlagen Fernwärme produzieren. Jetzt die separate Plastiksammlung als Greenwashing der Öl- und Kunststoffindustrie zu verteufeln ist zu kurz gegriffen. Die Zahlen bei den Einsparungen von Erdöl oder Kohle sprechen für sich. Trotzdem macht es Sinn, wann immer möglich auf Einwegplastik zu verzichten. Ideal wäre, wenn die Recyclingquoten weiter steigen, der Kunststoffverbrauch insgesamt aber sinkt. Doch allein die Konsumenten werden es nicht richten können, hier ist auch die Verpackungsindustrie und die Politik gefragt, um Kunststoffalternativen voranzubringen. AW

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