Am 1. Januar 2026 hat Roland Probst das Kommando über die Worber Feuerwehr übernommen. Unter der neuen Führung soll Bewährtes bestehen bleiben, doch der neue Kommandant richtet seinen Blick auch in die Zukunft und will für eine zeitgemässe Feuerwehr einstehen.
Roland Probst weiss, wie der Hase läuft, er ist seit über 30 Jahren Angehöriger der freiwilligen Feuerwehr Worb. Der Rollenwechsel vom Stellvertreter des Kommandanten zum Kommandanten hat aber trotzdem Eindruck bei ihm hinterlassen. Doch er ist zuversichtlich, dass er sich in seiner neuen Position einfinden wird. Von sich sagt er, er sei seit jeher Maler und Feuerwehrler. Schon als Schüler hat er in der Malerei seines Vaters mitgeholfen und dass er den Familienbetrieb übernimmt, habe er nie in Frage gestellt. «Ich musste mich nicht gross umschauen, welchen Beruf ich ergreifen will, ich wusste es ja schon. Später hiess es von meinem Vater, als Unternehmer musst du auch in die Feuerwehr, da lernst du Leute kennen», so Probst. 1994 mit 20 Jahren ist er schliesslich in die Feuerwehr eingetreten. Dass er die Kaderleiter bis zum Kommandanten hochsteigt, damit hätte er jedoch nicht gerechnet. Wenn man ihn so erzählen hört, kommt der Gedanke auf, da ist einer, der den Weg des geringsten Widerstandes geht; dieser Eindruck täuscht. «Was man bei der Feuerwehr macht, ist sehr sinnvoll. Du lernst, wie man mit den verschiedensten Geräten und Werkzeugen umgeht, lernst mit Menschen in einer schwierigen Situation umzugehen und bist sicher auch mal mit einer Gefahrensituation konfrontiert. Man ist von Gleichgesinnten umgeben und man hilft einander einfach.» Just in diesem Moment springt die Realität in das Gespräch. Ein Angehöriger der Worber Feuerwehr kommt von einem Einsatz der Feuerwehr Muri Gümligen – wo er ebenfalls Mitglied ist – zurück. Ein Verkehrsunfall. Der betroffenen Person gehe es den Umständen entsprechend gut, man habe aber das Autodach aufschneiden müssen, um sie zu bergen, rapportiert er. Später erklärt Roland Probst, dass das nicht unüblich sei, manche Feuerwehrleute sind neben dem Wohnort auch noch in der Feuerwehr am Arbeitsort, so könne sichergestellt werden, dass bei einem Alarm schnell genügend Leute am Schadensplatz sind, ohne grossen Anfahrtsweg. Wir bleiben bei der Realität, schliesslich stehen wir alle noch unter dem Eindruck der Brandkatastrophe in Crans-Montana in der Silvesternacht. Er ist froh, selbst noch nie mit einem Brand dieses Ausmas-ses konfrontiert gewesen zu sein. «Ich habe grosse Achtung vor jenen, die dort im Einsatz gewesen sind. Es muss ein Inferno gewesen sein.» Crans-Montana habe auch in Worb Wellen geschlagen. Erst kürzlich sei er mit einem Brandschutzexperten im Freizeithaus gewesen, dort werde derzeit geprüft, ob die Brandschutzmassnahmen ausgebaut werden sollen. Für die Bestrebungen in der Schweiz, die Brandschutzvorschriften zu lockern – was mittlerweile auf Eis gelegt wurde –, hat Probst nur wenig Verständnis. «Aus meiner Warte würde ich die Brandschutzvorschriften sicher nicht lockern. Ich verstehe auch nicht, warum wir das in der Schweiz nicht einheitlich haben.» Um Schlimmeres zu verhindern, appelliert er auch an die Eigenverantwortung. Zwar seien die Wohnungsbrände stark zurückgegangen, doch mindestens ein Löschmittel, sei es ein Feuerlöscher oder eine Löschdecke, sollte man im eigenen Zuhause griffbereit haben. «Sicher würde ich mal einen Feuerlöscher in die Hand nehmen und ausprobieren, wie der funktioniert. Bei der Feuerwehr haben wir es praktisch, wir können z.B. Fett in einer Pfanne anzünden und mal schauen, wie das so tut. Ich empfehle jetzt aber niemandem draussen im Garten etwas anzuzünden, um es dann mit dem Gartenschlauch zu löschen. Mittlerweile gibt es auch kleine Fettbrandlöscher für den Heimgebrauch. Aber auch da sollte man wissen, wie die funktionieren.» Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Website der Worber Feuerwehr, dort sind Brandverhütungstipps der BFB (Beratungsstelle für Brandverhütung) verlinkt.
Der Neue
Mit dem Wechsel in der Leitung wird bei der Worber Feuerwehr nicht das Rad neu erfunden. «Als Erstes versuche ich den ganzen Haufen beieinanderzuhalten. Und ich muss lernen, dass ich nicht immer zu schnell hineinschiesse, darauf wurde ich schon hingewiesen. Das Wichtigste ist mir gut zu den Leuten schauen und ein konstruktiver Austausch mit den Behörden.» Bei der Zusammenarbeit mit den Behörden hofft er auf ein Zusammenkommen in der Mitte. In den vergangenen Jahren sei das nicht immer reibungslos verlaufen, doch er bleibe optimistisch.
Mit aktuell 74 Angehörigen ist die Feuerwehr Worb gut aufgestellt. «Aktuell sind wir gut besetzt, doch weniger werden sollten wir nicht. Das Minimum sind 50 Leute, aber die müssen dann auch vor Ort sein, wenn etwas passiert.» Obschon er selbst einräumt, dass die Zeiten, als es noch zum guten Ton gehörte in die Feuerwehr einzutreten, vorbei sind, bleibt er auch da optimistisch.
Eines seiner ersten Projekte, wird das Inventar im Feuerwehrmagazin. «Wir haben sehr viel altes Material, wo ich mich frage, ob wir das überhaupt noch einsetzen können. Sicher, es gibt Leute, die nie etwas wegwerfen würden, andere denken, wenn man es ein Jahr lang nicht gebracht hat, weg damit. Ich bin dazwischen, wenn wir bei dem alten Zeug etwas ausmisten, schaffen wir Platz für Dinge, die nützlicher sind. Aber viel ändern müssen wir sicher nicht.» Auch der Ersatz für das in die Jahre gekommene Tanklöschfahrzeug wird Roland Probst noch beschäftigen. Bei der Ausstattung der Fahrzeuge gehen die Meinungen zwischen Politik und Feuerwehr zuweilen auseinander, doch beim Punkt Tanklöschfahrzeug vertritt Roland Probst klar die Haltung seines Vorgängers Thomas Rupp. «Bei der Feuerwehr sind wir lieber auf der sicheren Seite, was die Ausstattung betrifft. Wir sind hier in einer ländlichen Gemeinde, das heisst wir brauchen sicher Fahrzeuge mit Allradantrieb und wir brauchen Platz für Werkzeuge, wie beispielsweise eine Motorsäge. Man kann sicher jedes Fahrzeug hinterfragen, aber ein Tanklöschfahrzeug kann nicht weggelassen werden.» AW
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