Der Spielplatz bringt ein Stück Normalität. Bild: M. Marthaler

Gutshof Enggistein: Spielplatz statt Stillstand

Am Sonntag, an dem die Schweiz über die 10-Millionen-Initiative entschied, zeigte der Gutshof Enggistein ein Bild, das zur nationalen Debatte kaum kontrastreicher hätte sein können. Während im ganzen Land über Begrenzung, Zahlen und Obergrenzen diskutiert wurde, feierten in Enggistein rund 150 Menschen die Einweihung eines spendenfinanzierten Spielplatzes. Ein Ort, der nicht auf Abschottung setzt, sondern auf Begegnung.

Der neue Spielplatz, initiiert von der Refomierten Kirche Worb, steht dort, wo zuvor Stille war. «Der Ort wirkte oft wie ausgestorben», heisst es im Projektbeschrieb – und wer in den letzten Jahren am Rückkehrzentrum vorbeikam, weiss, was gemeint ist. Familien mit bis zu sieben Kindern teilen sich ein einziges Zimmer, Jugendliche dürfen nach der Schule weder arbeiten noch eine Lehre beginnen. Die Eidgenössische Migrationskommission stellte 2024 fest, Kinder in der Nothilfe lebten «in hochprekären Verhältnissen». Genau hier setzt der Spielplatz einen Kontrapunkt: Klettern, rutschen, lachen: ein Stück Normalität in einem Alltag, der sonst kaum welche kennt.

Dass dieser Ort entstanden ist, hat viel mit Anita Vogt zu tun, die das Projekt mit Hartnäckigkeit und Herzblut vorantrieb. Sie ist Mitgliede der OeME-Kommission der Reformierten Kirche Worb. Finanziert wurde die Anlage vollständig durch Spenden; der Eigentümer des Gutshofes, Jürg Reusser, stellte die Fläche kostenlos zur Verfügung. Die Einweihung selbst war ökumenisch: reformiert, katholisch, muslimisch. Ein Fest der Vielfalt, das an diesem politischen Sonntag fast wie ein Kommentar wirkte.

Im zeremoniellen Teil der Feier, wurden Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Worb Daniel Marti, Gemeindeleiter der Katholische Pfarrei St. Martin Worb Peter Sladkovic Büchel, Seelsorger und Muslimischer Theologe Rubin Gjeci vom Interkulturellen Chor Worb und dem Frauenchor Richigen musikalisch getragen. Während dem anschliessenden Mittagessen – das Buffet strahlte in allen Farben – flitzten bereits die ersten Kinder über die neuen Bodenbeläge und kletterten auf den «Play Dome 4». «Jetzt kann ich auch mal meine Klassenfreunde zu mir einladen», kommentierte ein kleines Mädchen die Szenerie zufrieden.

Mit dem Spielplatz wurde ein neuer öffentlicher Platz für Begegnungen und Erfahrungen geschaffen. Er verändert vielleicht die Debatte nicht, aber den Ort. Er bringt Leben in einen Hof, der zu lange ein Symbol für Stillstand war. Und er zeigt, dass Solidarität nicht auf dem Stimmzettel beginnt, sondern im Alltag – dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.

MATTHIAS MARTHALER

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