radiesli-Mitglied Christof Schüepp posiert für die Fotoausstellung. Bild: M. Bichsel

Kunsterprobung auf dem radiesli-Hof: Tanz zwischen Baumreihen

Der Kultursommer des solidarisch betriebenen «radiesli-Hofs» in Worb ist bereits gestartet und der 10. August 2024 steht ganz unter dem Stern der im letzten Herbst errichteten Agroforstanlage. 

Aufgrund der zunehmend erschwerten landwirtschaftlichen Bedingungen setzt der «radieslihof» neu auf die sogenannte Agroforstwirtschaft. Dies bedeutet, dass eine Vielfalt an Jungbäumen mit herkömmlichen Ackerkulturen zusammen auf derselben Fläche gepflanzt wird. Die bewusst angelegte Kombination von Land- und Forstwirtschaft sorgt in vielerlei Hinsicht für optimierte Verhältnisse. So können als Beispiel Trockenperioden besser überstanden werden, da die Bäume den Wasserhaushalt lokal verändern, dereinst Schatten spenden und ein positives Mikroklima schaffen. Die Natur zeigt also auf, dass das «Miteinander» verschiedener Elemente der Schlüssel zum Gedeihen sein kann. Besagtes Miteinander im neu entstehenden Ökosystem des Agroforsts stellt die Berner Tanzpädagogin Nina Müller mit ihrem Tanzkollektiv ins Zentrum.

Im einwöchigen Projekt namens «AGROLAB» geht Nina Müller wie in einem echten Labor systematisch vor. So geht dem eigentlichen tänzerischen Erproben ein eingehendes Kennenlernen des in der Schweiz eher neuartigen Landnutzungssystems im Sinne einer Recherche voraus. In diesem Anfangsprozess lernen die Teilnehmenden auch sich, ihre tänzerischen Prägungen und Präferenzen kennen. Während mehrerer Tage werden daraufhin Kompositionen und Möglichkeiten des Miteinanders bei der Agroforstanlage erprobt. Materialien zum Anfassen, Worte und Bilder werden hier neben dem Schauplatz als Inspirationsquelle genutzt. Über mehrere Tage hinweg entsteht auf diese Weise eine üppige Ideensammlung, die die Ausgangslage zur Weiterarbeit bildet. Für diesen Prozess ausschlaggebend ist, dass das Kollektiv mit der Praxis des Improvisationstanzes vertraut ist, da Nina Müller bei der Entwicklung der Abläufe und Bewegungen besonderen Wert auf Partizipation der Tanzwilligen legt. Anhand eines Trichterprinzips wird schliesslich entschieden, welche Elemente daraus vor Publikum funktionieren und demnach auch beibehalten und welche verworfen werden. Die Intensivwoche krönt schliesslich ein «Showing» der Ergebnisse, das direkt bei den Jungbäumen auf dem Feld stattfindet. Das Mitbringen von etwas Spontaneität ist von Vorteil, denn Müller schliesst nicht aus, dass auch das Publikum in irgendeiner Form in die Geschehnisse einbezogen wird.

Naturmaterialien im Workshop
Die Besuchenden können sich am Tag der Ergebnispräsentation zusätzlich auf zwei Workshops mit anschliessender Ausstellung freuen. So ermöglicht die Künstlerin und Kunstpädagogin Eva Baumann den Teilnehmenden unterschiedliche Insekten aus Naturmaterialien herzustellen. Aus Pflanzen- und Gemüsesäften wird in einem zweiten Workshop eine Vielzahl an Farben gezaubert, woraus schliesslich eine Farbinstallation inszeniert wird. Die Freilicht-Fotoausstellung des Fotografen Martin Bichsel zeigt Mensch und Baum im Dialog und greift somit das zentrale Thema auf. Die «BARadiesli» kümmert sich um durstige Kehlen, während abends auch ein Pizzaholzofen zum Einsatz kommt. Auch wer sich über den Verein «radiesli» und dessen Wirken informieren möchte, ist an der Bodengasse 22 an diesem Tag an der richtigen Adresse. JANINE LEHMANN

Weitere Informationen zum Anlass sind unter www.radiesli.org zu finden.

Nina Müller: tanz-ist.ch
Martin Bichsel: martinbichsel.ch
Eva Baumann: evabaumann.ch

Beitrag teilen:

Aktuelle Beiträge

Worb wächst – und mit ihm die Vielfalt der Mobilität. Mehr Velofahrende und E-Biker sind eine positive Entwicklung. Jede Initiative, die den Langsamverkehr attraktiver und sicherer gestaltet, liegt mir am Herzen. Denn wer entspannt und ohne unnötige Risiken auf zwei Rädern

Manchmal zeigen Wahlen mehr als nur Verschiebungen der Sitzverteilung. Die jüngsten Wahlen im Kanton Bern gehören in diese Kategorie. Die SP hat zugelegt: vier Sitze, neu 36 Mandate. Ein Resultat, das nicht vom Himmel gefallen ist, sondern aus Gesprächen, Präsenz,

Am 14. Juni ist wieder Abstimmung. Die masslose Zuwanderung bereitet mir Sorgen. Nicht nur weil alles überbaut wird, überall Stau herrscht und unsere Sozialsysteme überlastet werden, sondern meine Hauptsorge besteht darin dass die Selbstversorgungslage für Nahrungsmittel in der Schweiz bereits