Barbara Maria Willi (links) und Martina Janková präsentieren das neue Album. Bild: P. Hajská

Neues Album von Martina Janková: Zurück zu Dvořáks Anfängen

Wer Martina Janková in Worb begegnet, trifft nicht einfach eine Nachbarin oder Spaziergängerin. Die Sopranistin zählt seit Jahren zu den renommiertesten Sängerinnen Europas. Engagements führten sie an die Mailänder Scala, zu den Salzburger Festspielen und auf zahlreiche internationale Konzertbühnen. Seit rund 15 Jahren lebt sie jedoch mit ihrer Familie in Worb – und genau diese Verbindung von Weltkarriere und Verwurzelung macht ihre Geschichte besonders

«Wir schätzen hier die hohe Lebensqualität», sagt Janková. Die schöne Landschaft, die Nähe zur Natur und gleichzeitig die gute Anbindung an Bern hätten Worb für ihre Familie zu einem idealen Wohnort gemacht. Über die Jahre sei daraus weit mehr geworden als nur ein Wohnsitz: «Worb ist für uns ein Ort geworden, an dem wir uns wohlfühlen und sehr gerne leben.
Nun veröffentlicht die gebürtige Tschechin ihr neues Album «Dvořák: Early Songs». Gemeinsam mit der Spezialistin für historische Aufführungspraxis Barbara Maria Willi widmet sie sich darin den frühen Liedern des Komponisten Antonín Dvořák. Es sind Werke, die selbst vielen Klassikliebhaberinnen und -liebhabern kaum bekannt sein dürften.
Für Janková ist das Album weit mehr als eine weitere Aufnahme in ihrer umfangreichen Diskografie. «Mich fasziniert an diesen Liedern ihre Ehrlichkeit», sagt sie. «Die Aufnahme ist für mich eine Reise zu den Wurzeln von Dvořáks musikalischer Sprache.»
Tatsächlich zeigt das Album einen jungen Komponisten auf der Suche nach seiner eigenen musikalischen Handschrift. Schon vieles deutet auf den späteren Meister hin, dessen Sinfonien und Orchesterwerke heute weltweit bekannt sind. Gleichzeitig besitzen die frühen Lieder eine Frische und Unmittelbarkeit, die im späteren Werk oft hinter der kompositorischen Grösse zurücktritt.
«Beim Singen hatte ich das Gefühl, Dvořák beim Finden seiner eigenen inneren Stimme zu begleiten», erzählt die Sopranistin. Gerade diese Nähe mache die Musik so berührend und menschlich.
Die Aufnahme enthält mehrere selten zu hörende Werke und sogar Rekonstruktionen von Liedfragmenten, die erst kürzlich wissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Damit eröffnet das Album einen ungewöhnlichen Blick auf eine wenig bekannte Schaffensphase des tschechischen Komponisten.
Eine besondere Herausforderung sei dabei gewesen, die unterschiedlichen musikalischen Ebenen hörbar zu machen. «Der feine Übergang zwischen Volksliedton, romantischer Klangsprache und dichterischem Ausdruck sollte spürbar werden», sagt Janková.
Entstanden ist ein Album voller feiner Nuancen und musikalischer Entdeckungen. Und vielleicht zeigt gerade diese Beschäftigung mit den Anfängen eines grossen Komponisten auch etwas von der Künstlerin selbst: Trotz einer internationalen Karriere ist Martina Janková in Worb angekommen – und von hier aus führt ihre musikalische Reise immer wieder hinaus in die Welt. RD

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