Wo beginnt Armut, was sind ihre Gründe, wie kann man sie überwinden und vor allem, was wird in Worb dagegen getan? Diesen Fragen geht die SP-Worb am 3. September 2026 im Rahmen von Impulsreferaten und einem Podium im chinoworb nach.
Es ist ein Thema, über das in der reichen Schweiz nur ungern geredet wird: Armut. Oft unsichtbar und mit Scham behaftet, wird sie als individuelles Thema angesehen. Wenn das Geld nicht reicht, geht man halt zum Sozialamt. Doch geht man tiefer in die Materie, zeigt sich, Armut ist nicht nur ein politisches Thema, sondern auch ein gesellschaftliches. Sei es Jobverlust, Trennung oder Schicksalsschläge wie Krankheit oder Unfall, Armut kann jeden und jede treffen. Dabei wird oft übersehen, dass Armut auch ein strukturelles Problem ist, bezieht man den Niedriglohnsektor mit ein, und sie ist «vererbbar». Kinder, die in prekären Verhältnissen aufgewachsen sind, tragen ein höheres Risiko später auch in Armut zu leben. Die Mieten und Prämien für die Krankenversicherung steigen, Arbeitsstellen werden abgebaut und sieht man die Renten an, zeigt sich, dass Armut vor allem weiblich ist. Laut Bundesamt für Statistik sind in der Schweiz 8,4 % der Bevölkerung oder rund 740 000 Personen von Armut betroffen. Ebenso viele Menschen leben knapp über der Armutsgrenze und gelten als armutsgefährdet. Hinzu kommt, dass 20 bis 40 % der Berechtigten auf bedarfsabhängige Sozialleistungen verzichten, sei es aus Scham, Unkenntnis oder wegen administrativen Hürden. Für Worb gibt es keine aktuellen Zahlen, 2025 haben 622 Personen Sozialhilfe bezogen. Gemeinderätin Myriam Gerber, Vorsteherin Departement Soziales, weist jedoch darauf hin, dass Menschen, die finanziell knapp leben, aber keine Sozialhilfe beziehen, in dieser Quote nicht enthalten sind. Auch hier, es ist von einer Dunkelziffer auszugehen.
Wir müssen reden
Unter diesem Motto lädt die SP-Worb am 3. September 2026 zu einem öffentlichen Podiumsgespräch im chinoworb ein. Andreas Bircher, Mitglied der SP-Worb, organisiert den Anlass aus persönlichem Interesse, wie er sagt. Am Podiumsgespräch wird er jedoch in seiner Funktion als Präsident der Spitex oberes Worblental teilnehmen.
Grundsätzlich ist die Armutsbekämpfung Aufgabe des Kantons. Doch für Bircher hat das Thema auch eine gesellschaftliche Komponente: «Aus meiner Sicht ist Armut auch ein strukturelles Problem, da geht es um Zugang zu Ressourcen, Integration, Bildung und Förderung. Diese Seite wird oft ausgeblendet.» Für ihn ist auch die Gemeinschaft gefordert und er sieht auch Gemeinde und Institutionen wie Kirche und Spitex-Organisationen in der Pflicht Anspruchsberechtigte über ihre Rechtsansprüche aufzuklären. Mit «Armut in der reichen Schweiz – auch in Worb?» will er zusammen mit der SP dieses tabuisierte Thema öffentlich machen. Ebenfalls teil am Podiumsgespräch nimmt Myriam Gerber. Um effektiv gegen Armut vorzugehen, müsse man möglichst früh ansetzen. Es brauche gute Bildungschancen, sowie Unterstützung von Familien und Kinderbetreuung und bei der Integration in die Arbeitswelt. «Wichtig ist, dass die Menschen wissen, wo sie Unterstützung bekommen, bevor eine schwierige Situation eskaliert», so Gerber. So hat Worb die präventive Beratung ausgebaut. 2025 wurden 56 Beratungen durchgeführt, im Jahr davor waren es noch 47. Dazu kommt die Schulsozialarbeit, Frühförderung und Betreuungsgutscheine und das Projekt «Koordiniert und vernetzt», mit dem Kinder und Jugendliche frühzeitig unterstützt werden sollen. Vor allem müssen aber Hürden abgebaut werden, damit Informationen und Beratungen für betroffene Personen einfach und niederschwellig zugänglich sind.
Neben Myriam Gerber und Andreas Bircher werden auch Vertretende von Caritas Schweiz und ADT Vierte Welt am Podium teilnehmen und das Thema Armut von verschiedenen Seiten her beleuchten. Armut ist ein Fakt und es wird Zeit, dass sie entstigmatisiert wird. AW
Armut in der reichen Schweiz – auch in Worb?
Donnerstag, 3. September 2026, 18 bis 20 Uhr
Chinoworb, Hauptstrasse 21, Worb
Ab 17.15 Uhr einfacher Imbiss
Eintritt frei, Kollekte