Strom aus der Nachbarschaft – warum der Wisle­park zur Energiedrehscheibe werden könnte.

Der Wislepark in Worb kämpft. Massiv gestiegene Stromkosten haben das Sportzentrum in eine finanzielle Schieflage gebracht, und die Zukunft der Anlage ist ungewiss. Dabei liegt eine mögliche Antwort auf einen Teil des Problems seit dem 1. Januar 2026 im Schweizer Gesetz verankert – und sie heisst LEG.
Eine Lokale Elektrizitätsgemeinschaft, kurz LEG, ist ein Zusammenschluss von Stromproduzenten, Verbrauchern und Speicherbetreibern innerhalb einer Gemeinde. Die Idee ist bestechend einfach: Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, verkauft seinen überschüssigen Strom nicht mehr zu einem Spottpreis ins gros­se Netz – sondern direkt an die Nachbarin, den Gewerbebetrieb nebenan oder die öffentliche Einrichtung um die Ecke. Und zwar über das bereits bestehende öffentliche Verteilnetz, zu reduzierten Netznutzungstarifen.
Genau hier kommt der Wislepark ins Spiel. Ein Sportzentrum dieser Grösse – mit Eishalle, Freibad, Fitness, Curlinghalle und Gastrobetrieb – ist kein gewöhnlicher Stromverbraucher. Die Eishalle allein macht rund 70 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Anlage aus. Kältekompressoren, Pumpen und Beleuchtung laufen rund um die Uhr und erzeugen eine hohe, weitgehend planbare Grundlast. Genau das ist für eine LEG Gold wert.
Denn das Herzstück jeder funktionierenden Energiegemeinschaft ist ein verlässlicher Grossverbraucher, der die produzierte Solarenergie auch tatsächlich abnimmt – und zwar dann, wenn die Sonne scheint. Der Wislepark erfüllt diese Rolle von Natur aus.
Das Sportzentrum verfügt über grosse, unverbaute Dachflächen. Würde auf diesen eine Photovoltaikanlage installiert, wäre der Wislepark nicht nur Verbraucher, sondern auch Produzent – und könnte den überschüssigen Strom zu fairen Preisen an umliegende Liegenschaften abgeben. Ein lokaler Energiekreislauf, der alle stärkt.
Worb könnte Pionierin sein. Eine Gemeinde, die ihr Sportzentrum nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Energiedrehscheibe begreift – das wäre ein Signal weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Für die Stammvereine wäre es eine Perspektive. Für die Bevölkerung, die an günstigen Solarstrom aus der Nachbarschaft glaubt, eine konkrete Möglichkeit. Und für den Wislepark selbst: ein Weg, strukturelle Kosten zu senken, ohne den Betrieb einzuschränken.
Worb strebt das Label Energiestadt Gold an. Die letzte Beurteilung resultierte mit 71,9 Prozent knapp vor der Goldschwelle von 75 Prozent, die für das Energiestadt-Gold-Label erforderlich ist, und die nächste Rezertifizierung findet in diesem Jahr statt. Eine LEG mit dem Wislepark als Ankerverbraucher und PV-Anlage auf dem Dach würde direkt Punkte einbringen.
Der Wislepark wäre so nicht länger nur ein finanzielles Problem der Gemeinde, sondern das Herzstück ihrer Energiestrategie.


Herbert Jakob, Mitglied GLP Worb

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