Steht die Diagnose Alzheimer oder eine andere demenzielle Erkrankung im Raum, stehen Angehörige oft vor einem Berg Fragen. Eine erste Anlaufstelle kann das Info Café Demenz, das vier Mal im Jahr in der Altersbetreuung Worb stattfindet, sein. Das Info Café ist jedoch weit mehr als eine reine Informationsveranstaltung, so bietet es betreuenden und pflegenden Angehörigen auch die Möglichkeit sich mit Menschen in einer ähnlichen Situation auszutauschen.
Ein warmer Tag im Mai, der helle Mehrzweckraum in der Altersbetreuung Worb ist freundlich eingerichtet. Auf den Tischen stehen Getränke und Knabbereien bereit, auf einem anderen liegen Infomaterial und Broschüren auf. Die Tische sind bis auf den letzten Platz besetzt, die Atmosphäre ist gelöst; viele kennen sich. Es sind meist Angehörige von Menschen mit Demenz, die sich hier im Info Café Demenz einfinden. Darunter sind aber auch Interessierte oder Personen, die jemanden mit einer demenziellen Erkrankung aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis begleiten. Sie schätzen den ungezwungenen Rahmen, den die Veranstaltung bietet, um an Informationen zu kommen oder sich mit anderen Angehörigen auszutauschen. So ist es nicht verwunderlich, dass kurz vor dem Referat Notizblöcke und Schreibstifte gezückt werden.
Im Januar 2024 hat Marianne Rüfenacht, Fachberaterin Demenz bei Alzheimer Bern (WoPo 04/26), das Info Café hier in der Region ins Leben gerufen. Das Info Café Demenz ist ein Angebot von Alzheimer Bern nach dem Konzept von Alzheimer Schweiz und bietet in einem ungezwungenen Rahmen die Möglichkeit sich nebst einem fachlichen Input auch untereinander und mit Fachpersonen auszutauschen. Je nach Themen, die anstehen, ist das Café ein niederschwelliger Weg, um an Informationen zu kommen oder mit Fachpersonen in Kontakt zu treten. In Worb wird das Info Café viermal im Jahr durchgeführt. In der Regel halten Fachpersonen aus den verschiedensten Bereichen ein Referat und stehen im Anschluss für Fragen aus dem Publikum bereit. Für die Veranstaltung im Mai haben Marianne Rüfenacht und Binja Breitenmoser, Leiterin des Zentrum Alter Worb, ein Podiumsgesrpäch mit dem Heimleiter der Altersbetreuung Worb, Frank Heepen, und Stefanie Hofstetter, Co-Leiterin Demenzhaus des Wohn- und Pflegeheims Utzigen, vorbereitet. Das Thema: Der Heimeintritt – gut vorbereitet den Weg gestalten. Geht es um den Heimeintritt, stehen für Angehörige einer von Demenz betroffenen Person viele Fragen im Raum. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Anmeldung im Heim und welche Institutionen sind geeignet? Oder wer unterschreibt den Vertrag, wenn die Demenz schon weit vorgeschritten ist? Wie bereitet man die betroffene Person vor, insbesondere dann, wenn sie sich weigert ins Heim zu gehen? Aus seinem Berufsalltag weiss Frank Heepen, dass viele den Heimeintritt, dann in Betracht ziehen, wenn es zu Hause mit der Pflege nicht mehr geht: «Oft kommen die Leute dann, wenn es fast schon zu spät ist und die Angehörigen überlastet sind.» Das untermauert auch Stefanie Hofstetter: «Als Angehörige muss man sich bewusst sein, wie anspruchsvoll das ist. Demenzbetreuung ist ein 24/7 Job.» Daher plädieren beide dafür, das Thema frühzeitig anzusprechen, insbesondere dann, wenn die Demenz schnell voranschreitet, und die Betroffenen müssen in diesem Prozess eng und einfühlsam begleitet werden. Die Anmeldung in einem Pflegeheim ist kostenlos und unverbindlich und da es im Kanton Bern mehr Plätze gibt, konnten auch die Dringlichkeitslisten verschlankt werden. Trotzdem sollte der Weg ins Heim gut vorbereitet werden. Heepen verweist auf die verschiedenen Angebote der Altersbetreuung Worb, die den Übertritt erleichtern können, wie z. B. der Tagestreff oder das Ferienzimmer. Das verschafft den Angehörigen nicht nur eine Verschnaufpause, sondern kann die Betroffenen auch mit der neuen Umgebung vertraut machen. Für Heepen ist es ein Privileg, wenn die Leute gut vorbereitet ins Heim eintreten. Bei der Suche nach einer geeigneten Institution darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass es zwischen den Heimen Unterschiede gibt. Nicht jedes Pflegeheim verfügt über einen geschützten Wohnbereich für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die Umgebung sollte möglichst reizarm gestaltet und gesichert sein, so dass die Bewohnerinnen den Bereich nicht selbständig und unbemerkt verlassen können. Auch die Betreuung ist intensiver und sollte individuell auf die Bewohnenden abgestimmt sein. Umstände, die im eng getakteten Pflegealltag nicht ohne weiteres umgesetzt werden können. Die Altersbetreuung Worb verfügt zwar über eine entsprechende Abteilung, jedoch kann eine elektronische Absicherung, wie es in vielen Demenzabteilungen der Fall ist, in einem so offenen Haus wie hier in Worb nur schwer umgesetzt werden. Anders sieht es im Wohn- und Pflegeheim Utzigen aus, das über ein Demenzhaus mit eigenem Garten verfügt, wo sich die Bewohnenden ihrem Zustand entsprechend frei bewegen können. Welche Institution in Frage kommt, hängt auch mit dem Fortschritt der Demenz und deren Auswirkungen auf Persönlichkeit und Verhalten der Betroffenen zusammen. Ob in der Altersbetreuung Worb oder im Pflegeheim Utzigen, der Fokus liegt darauf den Bewohnenden ein Zuhause zu bieten, in dem sie sich möglichst frei entfalten können. Während der Gesprächsrunde bekommen die Gäste des Info Cafés immer wieder die Möglichkeit von eigenen Erfahrungen zu erzählen. Es ist weit mehr als eine reine Informationsveranstaltung, es geht nicht nur darum zu erfahren, wann es Zeit wird einen Vorsorgeauftrag abzuschliessen oder wie man sich auf einen Heimeintritt vorbereitet, sondern auch darum mit Menschen, die im selben Boot sitzen, in Kontakt zu treten. AW
Das nächste Info Café Demenz mit dem Thema «Helfen ohne sich selber zu vergessen» findet am 27. August 2026 von 17 bis 18.30 Uhr in der Altersbetreuung Worb statt.
Mehr zur Altersbetreuung Worb unter www.abworb.ch und zum Wohn- und Pflegeheim Utzigen unter www.schlossutzigen.ch