Nach neuneinhalb Jahren im Gemeinderat hat Urs Gerber, Grüne, im Mai seinen Rücktritt per Ende Juli 2026 angekündigt. Als Vorsteher des Departements öffentliche Sicherheit hat er einige Projekte angestossen, wie beispielsweise die Installation von Defibrillatoren auf dem Gemeindegebiet.
Als einen der Gründe für seinen Rücktritt gibt Urs Gerber die Vereinbarkeit zwischen seiner 100%-Stelle als Schulinspektor und dem Amt als Gemeinderat an. Das Departement für öffentliche Sicherheit umfasst viele Bereiche, neben der Einwohnerkontrolle gehören auch der Friedhof und wichtige Organisationen wie die Feuerwehr, das RFO (Regionales Führungsorgan) und der Notfalltreffpunkt dazu. Alles Dinge, die man nicht in einer Viertelstunde nach Feierabend erledigt. «Ich hatte zwar die Möglichkeit auch tagsüber für Gemeindetermine freizunehmen, aber die Arbeit muss trotzdem erledigt sein. Mir hat zunehmend der Ausgleich gefehlt, was sicher auch mit dem Älterwerden zusammenhängt», so Urs Gerber. Der zweite, und für ihn wichtigere Grund ist, dass für jeden Bereich die Zeit kommt, wo es frische Köpfe braucht. «Es ist ein Dienst an der Gemeinschaft, den ich immer gerne gemacht habe. Neun bis zwölf Jahre ist eine gute Zeit für den Gemeinderat. Ein Wechsel tut gut, man selbst hat blinde Flecken und auch seine eigene Meinung, es braucht neue Perspektiven oder Sichtweisen.» Sich selbst sieht er nicht als unverzichtbar, er ist sich sicher, dass Projekte, die er angestossen hat und kurz vor der Umsetzung stehen, auch unter seiner Nachfolgerin Elena Lanfranconi, FDP, erfolgreich weitergeführt werden.
Der Schulinspektor
In Langnau aufgewachsen, hatte Urs Gerber beruflich immer ein Bein in Worb. Nach der Ausbildung am Lehrerseminar trat er seine erste Stelle im Schulhaus Wyden an. «Ich kam schon als 20-jähriger Lehrer mit der Idee daher: Ich weiss wie das geht. Ich habe nicht bemerkt, dass mir viel Erfahrung fehlte und ich in gewissen Punkten völlig naiv unterwegs war. Aber ich hatte Top-Leute um mich, die auch Vorbilder waren.» In dieser Zeit war er auch für kurze Zeit Chorleiter der Trachtengruppe Worb sowie Jugendtrainer und Schiedsrichter im Handballclub. Dann kam der Wechsel ans Oberstufenzentrum Worbboden. Nebenbei studierte Gerber noch pädagogische Psychologie und Geschichte und liess sich zum Gymnasiallehrer ausbilden. Bis 2014 war er Teil der Co-Schulleitung im Wobo, daneben unterrichtete er an zwei Tagen in der Woche Pädagogik und Psychologie am Gymnasium, der Mittwoch widmete er seiner Familie. «Ich kann heute nicht mehr sagen, wie wir das alles unter einen Hut gebracht haben. Irgendwann tanzte ich auf zu vielen Hochzeiten und gab den Gymer auf.» Seit 2015 ist er als Schulinspektor tätig. Ein Wechsel, der gerade zur rechten Zeit kam. «Mein ältester Sohn kam ins Wobo. Aus meiner Sicht ist es keine gute Idee, wenn der Vater an der Schule Leiter ist, die man besucht.» Als Schulinspektor deckt er die Region Gürbetal, Aaretal und Kiesental ab, wo er für jede Beschulungsform von der Volksschule bis zum Homeschooling zuständig ist, dafür hat er noch eine Ausbildung zum Mediator absolviert. Bei Verfügungen der Schulbehörden ist Gerber erste Beschwerdeinstanz. «Schulen haben viel mit Familiensystemen zu tun. Oft sind wir mit Schicksalen konfrontiert, wo es uns überrascht, wenn sich die Kinder trotzdem gut entwickeln. Manchmal kommt es halt auch nicht gut. Da ist für mich entlastend, dass ich gewisse Handlungsspielräume habe, ich kann Wege aufzeigen, die scheinbar verschüttet sind. Manchmal braucht es jemand, der die Leute an den Tisch bringt, um gemeinsam eine Lösung zu suchen.»
Der Lösungsfinder
Lösungsorientiert ist Urs Gerber auch sein Amt als Gemeinderat angegangen, auch da war es ihm wichtig die Leute an einen Tisch zu bringen, um die bestmögliche Lösung für Themen, die die öffentliche Sicherheit betreffen, zu finden. «Man muss sich einfach bewusst sein, ohne andere Leute kann man nichts bewegen. Man muss gut zuhören und gemeinsam einen Weg finden. Mit diesem Lösungsansatz kommt meist etwas anderes heraus, als wenn ich allein bestimmt hätte. Man bekommt so aber eine Lösung, die von vielen getragen wird, und das hat Kraft.» Sicher sind ihm da auch seine Fähigkeiten als Mediator zugute gekommen. Er ist keiner, der auf den Tisch haut, um seine Meinung durchzudrücken. Wobei, wenn in einer Diskussion das einzige Argument sei, man habe das schon immer so gemacht, könne auch er eine harte Nuss sein. Sich selbst beschreibt er als engagierten Menschen. Das hat Gerber auch in die Politik gebracht. Nicht nur davon reden, sondern auch etwas machen. «Etwas voranzutreiben, bei grossen Problemen etwas im Kleinen bewirken zu können. Da kam mir der Gemeinderat sehr gelegen. Das Exekutivamt war das Beste, das ich politisch gemacht habe.» Sei es die Zebrastreifen, Tempo-Limiten oder die Einführung der Pilzkontrolle, auf Gemeindeebene sehe man das Ergebnis von all dem, was man politisch vorantreibe. Von 2006 bis 20012 war er im Gemeindeparlament. Trat aber aus, als in Worb eine Geschäftsleitung Schule eingerichtet wurde, die direkt dem Gemeindepräsidenten unterstellt war, wo er Leiter war. «Ich wäre in Rollen gewesen, die für mich nicht zusammengepasst hätten. Für mich stimmte es nicht, als Parlamentarier den Gemeinderat zu kritisieren und als Geschäftsleiter der Worber Schulkreise gleichzeitig so eng mit dem Gemeinderat zusammenzuarbeiten.» Mit seiner Tätigkeit als Schulinspektor habe sich das geändert. 2016 liess er sich auf einer gemeinsamen Liste der SP und der Grünen für die Wahlen als Gemeinderat aufstellen und wurde prompt gewählt. Als Grüner das Departement öffentliche Sicherheit unter sich zu haben, darin hat Urs Gerber nie einen Widerspruch gesehen. Er nimmt Worb als politisch ausgewogen wahr und einen Konsens habe man immer gefunden.
Mit seinem Rücktritt verschwindet der Gemeinderat nicht aus seinem Leben, wie bekannt ist, übernimmt seine Frau Myriam Gerber-Maillefer den freigeworden Sitz der Grünen im Gemeinderat. Darin sieht Urs Gerber kein Problem. «Myriam ist Fraktionschefin der SP und Grüne, ist in der ASK und ich war im Gemeinderat, dass wir sorgfältig mit Informationen umgehen, ist für uns nicht neu. Ich kann loslassen. Man soll seine Arbeit gut machen und dann stark genug sein, sich rauszuhalten.» Ob er sich künftig in anderer Form politisch engagieren wird, lässt er noch offen, er werde ein interessierter Bürger und Vizepräsident der Grünen Worb bleiben. « Ich lasse es auf mich zukommen. Meine Pensionierung ist absehbar und auch meine Eltern brauchen mich mehr.» Für Worb wünscht er sich, dass die Gemeinde im Kleinen nachhaltig bleibt und die Leute miteinander reden. Für sich freut es ihn, künftig wieder mehr Zeit zu haben, um sich an sein Klavier zu setzen, statt es nur gelegentlich abzustauben. AW