Mit dem Magnolia als Treffpunkt für das Vis-à-vis mit Anette war es klar, dass das Treffen ein kreativer, bereichernder Austausch werden wird. Mir wird Tee oder Kaffee angeboten, wobei ich mich für einen feinen Grüntee entscheide. Anette vereint Energie, Ideenreichtum, Offenheit und eine gehörige Portion Spontanität, diese Eigenschaften spürt man auch in den charmanten Räumlichkeiten des Magnolia und in ihrer Herzlichkeit.
«Ich habe einen klaren Bezug zu Worb. Meine Adoptiveltern sind in den 60er Jahren nach Worb gezogen und haben mich dann in den 70er Jahren adoptiert. Ich bin also hauptsächlich hier aufgewachsen, habe Primar.- und Sekundarschule hier gemacht. Den Gymer habe ich dann in Bern gemacht und erstmal habe ich mich dann im städtischen Umfeld sehr wohl gefühlt. Es ist auch dabei geblieben, das offene, linke Denken spricht mich an, das ist auf dem Land schon anders. Allerdings haben wir mit dem Magnolia einen unkonventionellen, vorurteilsfreien Ort geschaffen, wo sich alle willkommen fühlen dürfen. Themen wie Geschlechtervielfalt und Queerfreundlichkeit liegen mir sehr am Herzen sowie die Ansicht, dass wir in erster Linie alles Menschen sind unabhängig von Herkunft, Religion, Kultur. Jedenfalls – nachdem ich Worb früh als junge Erwachsene verlassen habe, bin ich nun wieder zurückgekehrt in mein Elternhaus. Nach dem Tod meiner beiden Adoptiveltern ist mir klar geworden, dass da einfach nichts und niemand mehr wäre: keine Geschwister, keine Eltern mehr. Das Haus war eigentlich die letzte Verbindung zu meiner Kindheit und Jugend in Worb. Nach einigem Zögern habe ich mich dann doch dazu entschieden, das Haus zu übernehmen, zusammen mit meinem Mann und unseren drei Kindern. Einiges habe ich darin umgestaltet, um es zu unserem Eigenen zu machen und nicht nur zu einem Abbild meiner Eltern. Jetzt inzwischen fühle ich mich wohl in Worb. Ich schätze die Naturnähe und trotzdem die Nähe zu Bern. Durch das Magnolia, welches ja vor allem ein Atelier für mich ist, habe ich viele neue Freundschaften und Bekanntschaften schliessen dürfen, die sehr wertvoll sind. Seit kurzem erst weiss ich, dass ich von ADHS betroffen bin – vieles über mich verstehe ich jetzt besser. Mein innerer unaufhörlicher Quell von Ideen für Projekte, die ich gerne machen würde zum Beispiel, oder meine Nachtaktivität. Dann, wenn die meisten Menschen müde werden und sich schlafen legen, werde ich nochmal richtig kreativ und kann ohne Weiteres bis ein, zwei Uhr nachts tätig sein. Entsprechend sieht dann der Morgen bei mir so aus, dass ich froh bin, wenn ich es langsam angehen kann: erstmal einen feinen Tee trinken und behutsam wach werden. Dieses super strukturierte, durchgetaktete und auf Funktionieren ausgelegte Leben sagt mir nicht zu. Ich brauche Raum und Zeit, um zu sein, zu wirken und das zu tun, was sich eben grad richtig und wichtig anfühlt. Deshalb gibt es bei mir auch keine Speisekarte im Voraus, weil ich einfach kochen will, worauf ich gerade Lust habe, was sich gut anfühlt. Ich habe das Magnolia in den letzten Wochen etwas verändert, neu eingerichtet und gebüschelt. Das Gefühl hier ‹zu Hause› zu sein hat mir gefehlt, manchmal habe ich mich wie eine Fremde im eigenen Atelier gefühlt und das soll so ja nicht sein. Dann habe ich immer wieder meine Projekte in unser Zuhause verlegt, statt sie im Magnolia in Angriff zu nehmen. Jetzt finde ich es aber viel besser und ich bin zuversichtlich, dass ich mich jetzt hier wohl fühle und ausleben kann. Für alle, die es interessiert: das Magnolia ist ein Ort, wo Kultur stattfindet, diverse kreative Projekte Raum finden, man kann es mieten mit oder ohne Catering und jeden Freitag koche ich für Euch und ab Mittag kann man hier essen kommen, sich austauschen oder einfach in Ruhe sein, geniessen, lesen, nachdenken. Ich freue mich über jede spannende Begegnung und heisse alle Menschen hier willkommen.
Aufgezeichnet von RAHEL VON DER DECKEN