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Vis-à-vis mit Michel Bärtschi, Fussballtrikot-Sammelnder

«Worb ist für mich mehr als nur ein Wohnort – es ist Heimat. Aufgewachsen bin ich an der Schulhausstrasse, in der Nähe des Braui-Areals. Als ich drei Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir hierhergezogen, und auch meine Mutter hat ihre Kindheit schon in Worb verbracht. Meine ganze Schulzeit – vom Kindergarten bis zur 9. Klasse – habe ich hier absolviert, verteilt auf verschiedene Schulhäuser, die mir bis heute vertraut sind. Nach der obligatorischen Schulzeit zog es mich für ein Welschlandjahr nach Lausanne, bevor ich meine kaufmännische Lehre in Kehrsatz begann. Anschliessend war ich als Durchdiener im Militär in Aarau und Zürich im Einsatz. Wieder zurück im Berufsleben, arbeitete ich einige Jahre im kaufmännischen Bereich, bis ich schliesslich in die Fitnessbranche wechselte. Fünf Jahre lang war ich in Bern tätig und wohnte während dieser Zeit auch dort, im Ostring-Quartier.
Im Jahr 2024 zog es mich zurück nach Worb – zurück an die Schulhausstrasse, zurück zu meinen Wurzeln. Viele wichtige Menschen in meinem Leben sind ebenfalls hiergeblieben: Meine Grossmutter lebt noch in Worb, genauso wie mein bester Freund aus der Schulzeit, dessen Tochter ich als Götti begleiten darf. Diese Verbundenheit macht den Ort für mich besonders wertvoll. 
Seit Anfang 2025 arbeite ich als Bus-chauffeur bei Bernmobil. Der Arbeitsalltag in einer lebhaften Stadt wie Bern kann durchaus herausfordernd sein: dichter Verkehr, gestresste Menschen und immer wieder neue Situationen, die meine volle Aufmerksamkeit verlangen. Umso mehr schätze ich es, am Feierabend nach Worb zurückzukehren und hier zur Ruhe zu kommen.
In meiner Freizeit zieht es mich oft ans Wasser – sei es ins Marzili an die Aare oder in die Badi in Worb. Im Sommer verbringe ich gerne Zeit mit Freunden beim Bräteln auf dem Wislen oder dem Worbberg. Wenn es kälter wird, geniesse ich die Sauna im Wislepark. Auch koche ich leidenschaftlich gern und probiere neue Rezepte aus – am liebsten solche mit Käse. Ein anderes und besonderes Hobby von mir ist das Sammeln von Fussballtrikots aus aller Welt, wobei mein Herz ganz klar für den BSC Young Boys schlägt. Als Jugendlicher habe ich selbst einige Jahre beim SC Worb gespielt – mit überschaubarem sportlichem Erfolg, aber vielen schönen Erinnerungen. Meine Sammlung besteht mittlerweile aus ungefähr 500 verschiedenen Trikots, viele davon fristen aber keineswegs ein Dasein als reines Sammlerobjekt, sondern werden bei meinen Trainings im Fitnessstudio getragen. Das Herzstück meiner Sammlung ist einerseits mein YB-Heimtrikot, welches ich 2003 zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, und andererseits mein SC-Worb-Trikot, welches ich in meiner Juniorenzeit getragen hatte. Fun fact: das Trikot passt mir fast 20 Jahre später immer noch, da es ein XL ist.
Gemeinsam mit meiner Freundin kümmere ich mich auch gerne um unseren Garten, eine kleine grüne Oase mitten im Dorf. Dort bauen wir eigenes Gemüse an und geniessen die Zeit draussen. Auch die Natur rund um Worb bedeutet mir viel – sei es bei Spaziergängen im Eggwald, rund ums Schloss oder bei Wanderungen im Berner Oberland. Ich bin ein Mensch, der mit wenig zufrieden ist und die kleinen Dinge im Leben schätzt. Schlechte Laune kenne ich kaum – und wenn doch, vergeht sie meist schnell, sobald ich mir bewusst mache, wie gut es mir geht.
Wenn ich heute an meine Kindheit zurückdenke, verbinde ich damit viele schöne Erinnerungen. Es ist ein schöner Gedanke, dass vielleicht auch meine eigenen Kinder eines Tages hier aufwachsen und zur Schule gehen werden. Dieses Gefühl von Zuhause ist für mich ganz konkret: Jeden Tag, wenn ich nach der Arbeit nach Worb zurückkomme und die Kurve bei Langenloh nehme, sehe ich das Schloss Worb. In diesem Moment weiss ich – ich bin angekommen.»

Aufgezeichnet von RAHEL VON DER DECKEN

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