Vis-à-vis mit Stefanie Kipf, Ball-Künstlerin 

Stefanie Kipf ist Präsidentin, Spielertrainerin und Spielerin der Femina Kickers Worb. Bereits als kleines Mädchen entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Fussball. Sie durchlief sämtliche Juniorenabteilungen, wurde mehrfach Torschützenkönigin der Nationalliga B und spielte mit dem FC Thun sogar in der höchsten Schweizer Liga. Heute setzt sich die bald 40-Jährige dafür ein, dass Mädchen und Frauen gute Bedingungen vorfinden, um ihren eigenen Weg im Fussball gehen zu können.

«Aufgewachsen bin ich in Biglen. Mit sechs Jahren begann ich beim FC Biglen Fussball zu spielen. Eigentlich hatte alles ungezwungen mit den Nachbarskindern angefangen. Ich spielte einfach gerne mit ihnen Fussball und ging irgendwann in einem Verein schnuppern. So nahm alles seinen Lauf. Bis zu den D-Junioren spielte ich gemeinsam mit den Buben. Als ich ungefähr elf Jahre alt war, wechselte ich nach Worb. Später durchlief ich sämtliche Juniorenabteilungen. Einmal erhielt ich auch ein Aufgebot für die U19-Nationalmannschaft. Damals musste ich mich jedoch auf meine Ausbildung konzentrieren. Der Frauenfussball bot noch längst nicht dieselben Möglichkeiten wie heute, und irgendwann musste man sich entscheiden, wo man seine Schwerpunkte setzte. 2006 war ich bei der Gründung der Femina Kickers Worb dabei. Seither hat sich sehr viel verändert. Der Frauenfussball ist grösser und sichtbarer geworden, und auch die Ausbildung der jungen Spielerinnen hat sich weiterentwickelt. Trotzdem gibt es noch einiges zu tun. Während 23 Jahren spielte ich für die Femina Kickers, teils bei den Juniorinnen und teils nachher bei den Aktiven, bevor ich dann zum FC Thun wechselte. Insgesamt war ich ungefähr acht Jahre in Thun. Wir spielten in der Nationalliga B und schafften schliesslich den Aufstieg in die Women’s Super League. Eine Saison in der höchsten Schweizer Liga spielen zu dürfen, war etwas Besonderes. Mehrmals wurde ich zudem Torschützenkönigin der Nationalliga B. Als Linksfüsserin war ich fast immer im Sturm zu Hause – Tore zu schiessen, lag mir also durchaus. Beim FC Thun war ich nicht nur Spielerin, sondern zeitweise auch als General Managerin tätig. Ich durfte die Entwicklung und Integration der Frauenabteilung begleiten. Das war eine interessante und wichtige Aufgabe. In den verantwortlichen Funktionen waren damals vor allem Männer vertreten. Umso wertvoller war es, die Perspektive der Frauen einzubringen. Inzwischen spiele ich nicht mehr für den FC Thun, dem Fussball bin ich aber natürlich treu geblieben und bin zurück nach Worb. Bei den Femina Kickers spiele ich weiterhin in der 2. Liga und bin zugleich Spielertrainerin in der 3. Liga. Das Vereinsleben ist mir sehr wichtig. Unser Ziel mit der ersten Mannschaft ist der Aufstieg in die 1. Liga. Die 2. Liga ist eine regionale Liga, während mit dem Schritt in die 1. Liga wieder ein anderes sportliches Niveau erreicht wird. Dafür braucht es Einsatz, gute Trainingsbedingungen und eine konsequente Nachwuchsarbeit. Gerade die Förderung der jungen Spielerinnen liegt uns am Herzen. Wir möchten unsere Fördertrainings weiter ausbauen und gute Spielerinnen möglichst lange in Worb behalten. Wenn talentierte Mädchen für ihre weitere Entwicklung den Verein wechseln, soll Worb für sie dennoch immer ein Ort bleiben, an den sie gerne zurückkehren. Gleichzeitig wollen wir ihnen bei uns eine möglichst gute Ausbildung bieten. Seit rund einem Jahr bin ich Präsidentin der Femina Kickers. Tatsächlich verteilen wir die Aufgaben des Präsidiums auf mehrere Schultern, auch wenn auf dem Papier mein Name als Präsidentin steht. Ein Verein dieser Grösse lässt sich nur gemeinsam führen. Es braucht viele Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und einen Teil ihrer Freizeit zu investieren. Neben dem Fussball arbeite ich zu 100 Prozent beim RAV. Auch sonst beschäftige ich mich intensiv mit dem Sport. Der richtige ‹Mindset› ist im Vereinsleben und im Sport enorm wichtig. Wer etwas erreichen will, muss seine Ziele ernst nehmen und bereit sein, dafür zu arbeiten. Ich trainiere nach wie vor viel und bin auch mit bald 40 noch fit. Trotzdem habe ich in den vergangenen Jahren zusätzlich das Wandern für mich entdeckt. Dort geht es weniger um Tore, Tabellen und Resultate. Es ist ein schöner Ausgleich zu meinem sonst sehr bewegten Alltag und unterstützt trotzdem meine Fitness.Der Frauenfussball hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Mädchen, die heute mit dem Fussball beginnen, finden deutlich bessere Strukturen vor als früher. Diese Entwicklung macht Freude – sie ist aber noch nicht abgeschlossen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass Mädchen und Frauen im Fussball ernst genommen werden, gute Möglichkeiten erhalten und ihre Begeisterung leben können. Denn für mich ist Fussball bis heute weit mehr als ein Sport: Er begleitet mich praktisch mein ganzes Leben. Dass das auch immer alles so reibungslos geklappt hat, verdanke ich unter anderem auch meinem Vater, der mich jeweils quer durch den Kanton Bern an alle Spiele gefahren hat und auch als Zuschauer dabeiblieb. Bis heute steht er gerne am Spielfeldrand und feuert uns an und geniesst den Austausch mit anderen fussballbegeisterten Menschen.»

Aufgezeichnet von RAHEL VON DER DECKEN

Beitrag teilen:

Aktuelle Beiträge

Wo beginnt Armut, was sind ihre Gründe, wie kann man sie überwinden und vor allem, was wird in Worb dagegen getan? Diesen Fragen geht die SP-Worb am 3. September 2026 im Rahmen von Impulsreferaten und einem Podium im chinoworb nach.

Vor zwei Jahren haben Sandra und Beda Wick den Worber Bioladen, nach der erfolgreichen Umstrukturierung, übernommen. Nun suchen sie eine Nachfolge.

Am Samstag, 5. September 2026, findet von 09.00 bis 17.00 Uhr an der Sonnenbodenstrasse in Worb bereits die vierte Chäs-Chiubi statt. Die Besuchenden erwartet ein regionaler Marktplatz mit über 40 Ständen, traditionellem Handwerk, einem Live-Schaukäsen sowie verschiedenen Sport- und Spielaktivitäten