Über Krankheit, Sterben und Tod sprechen wir nicht gerne. Dabei gehören sie zum Leben. Eine Ausstellung in Worb lädt im September dazu ein, genau hinzuschauen – und zeigt, weshalb gute Begleitung am Lebensende weit mehr bedeutet als medizinische Versorgung.
«Du zählst, weil Du bist.» Der Satz stammt von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung. Ein einfacher Satz – und gleichzeitig einer, der den Grundgedanken der Palliative Care auf den Punkt bringt: Der Wert eines Menschen endet nicht dort, wo eine Krankheit nicht mehr geheilt werden kann.
Vom 9. bis 19. September ist in der Alten Post in Worb eine Wanderausstellung über das Leben und Wirken von Cicely Saunders zu sehen. (palliative care Aarau, Landeskirchen Aarau, https://palliative-begleitung.ch/wanderausstellung). Sie war Pflegefachfrau, Sozialarbeiterin und Ärztin und setzte sich zeitlebens dafür ein, schwerkranke und sterbende Menschen nicht auf ihre Krankheit zu reduzieren. Neben der Linderung körperlicher Beschwerden gehören deshalb auch Zuwendung, Zeit, Respekt und die psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse eines Menschen zur palliativen Begleitung.
Viele Menschen wünschen sich, auch bei einer schweren Erkrankung möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können – und wenn möglich auch dort zu sterben. Spitex-Dienste und mobile Palliative-Care-Angebote leisten dabei wichtige professionelle Unterstützung.
Als Ergänzung zu Fachpersonen braucht es manchmal zusätzliche Entlastung. Jemand, der Zeit schenkt und mitträgt, der zuhört und bei einem schwerkranken Menschen bleibt, damit Angehörige für einen Moment durchatmen können.
Und genau hier setzt eine Idee an, die auch in Worb Gestalt annehmen soll: Ein Pool von Freiwilligen soll aufgebaut werden, die schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen begleiten und im Alltag entlasten können. Dahinter steht der Gedanke der sogenannten «Compassionate Communities»: Sorge und Begleitung am Lebensende sollen nicht ausschliesslich Aufgaben von Medizin und Pflege sein, sondern auch von einer Gemeinschaft mitgetragen werden.
Die Ausstellung bietet Gelegenheit, sich mit diesem vielleicht nicht einfachen, aber zutiefst menschlichen Thema auseinanderzusetzen. Und womöglich auch mit der Frage, was wir selbst brauchen würden, wenn wir einmal auf die Hilfe anderer angewiesen sind.
Begleitet wird die Ausstellung von mehreren Veranstaltungen. Zur Eröffnung am 8. September sprechen Gemeinderätin Myriam Gerber und die Pflegeexpertin und Dozentin Ursa Neuhaus; musikalisch begleitet wird der Abend von «Kultur am Bettrand». Am 10. September lesen Prof. Dr. med. Steffen Eychmüller und Sybille Felber vom Universitären Zentrum für Palliative Care (Inselspital Bern) aus «Das Lebensende und ich». Ein Podiumsgespräch mit Beteiligten aus Pflege, Begleitung und Kirche trägt am 15. September einen Titel, der gleichzeitig als Einladung verstanden werden darf: «Das Leben ist endlich. Reden wir darüber.» RD
Ausstellung «Du zählst, weil Du bist»
Wann: 9.–19. September 2026
Zeit: täglich von 11.30 – 19 Uhr
Wo: Alte Post, Bollstrasse 1, Worb
Programm: Eröffnung am Dienstag, 8. September, 19.30 Uhr, Alte Post
Lesung «Das Lebensende und ich»: Donnerstag, 10. September, 19.30 Uhr, Buchhandlung zur Schmökerei, Bahnhofplatz 1
Podium «Das Leben ist endlich. Reden wir darüber.»: Dienstag, 15. September, 19.30 Uhr, Reformierte Kirche Worb
Wer sich für eine freiwillige Mitarbeit im Bereich Palliative Care interessiert, erhält beim Zentrum Alter Worb weitere Informationen: info@zentrumalterworb.ch, Tel. 031 839 02 48.