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Nach sechs Jahren Planung freut sich Christoph Jacoby auf die Umsetzung. Bild: AW

Wohnbaugenossenschaft Sonnhalde: Alternative Wohnform

Am 7. September 2026 hat das Worber Parlament  die Anpassung der Nutzungsplanung für das Areal der ehemaligen Haushaltungsschule Sonnhalde einstimmig angenommen. Christoph Jacoby, Präsident der Wohnbaugenossenschaft Sonnhalde, freut sich nun nach der langen Vorbereitungszeit an die Umsetzung gehen zu können.

Er sei mit einem positiven Gefühl an die Parlamentssitzung gegangen, sagt Christoph Jacoby: «Der Entscheid gibt ‹Pfuus› nun an die Umsetzung zu gehen.» Das sozial durchmischte Mehrgenerationenprojekt ist seit 2021 in Planung. Eigentümerin des Areals ist die OGG (Oekonomische Gemeinnützige Gesellschaft Bern), die eine Wohnbaugenossenschaft gesucht hat, um die Sonnhalde zu entwickeln, und das Gelände im Baurecht abgibt. Für Jacoby und die weiteren Vorstandsmitglieder eine Chance mit grossem Potential. Die denkmalgeschützte Campagne aus dem 18. Jahrhundert ist zusammen mit dem Nutz- und Ziergarten ein malerischer Ort, der auch so erhalten bleiben soll. Einzig der Anbau aus den 1970er Jahren wird abgerissen und durch zwei mehrstöckige Häuser ersetzt werden. Ein fünfstöckiges Haus mit Flachdach und Laubengängen und ein vierstöckiges Gebäude mit Satteldach. Mit diesem Gebäudeensemble soll der Geschichte des Areals, das einst ein Hofgut war, Rechnung getragen werden. Geplant sind 20 bis 25 Wohnungen, die Raum für 60 bis 70 Menschen geben sollen. Die Wohnflächen sind reduziert und auch die Küchen in den Wohnungen selbst werden klein ausfallen. Dafür stehen den Bewohnenden Gemeinschaftsräume wie eine grosse Küche, ein Wäsche- und ein Bastelraum zur Verfügung. Für Jacoby die Kernidee einer gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft. «Aktuell sind in der Schweiz pro Person bis zu 46 Quadratmeter Wohnfläche die Regel. Unser Ziel ist es dies auf 35 Quadratmeter zu reduzieren. Unser Vorteil ist, dass wir einen grossen Aussenraum haben, dazu kommen die Gemeinschafsträume. Genossenschaftliches Wohnen ist eine Wohnform, die derzeit sehr gefragt ist.» Ob in der Campagne selbst auch Wohnungen entstehen oder Gemeinschaftsräume, die als «Scharnier» zum halböffentlichen Garten genutzt werden, werde sich noch zeigen.

Bezahlbarer Wohnraum
Nicht nur in Worb wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend zu einem knappen Gut und gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften werden oft als mögliche Alternative angesehen. Das hat sich auch in den Voten aus dem Parlament, das  am 7. September über die Zonenplanänderung zu bestimmen hatte, gezeigt. Doch für eine Wohnbaugenossenschaft braucht es das nötige Kapital, um sich einkaufen zu können. Wer in eine Wohnbaugenossenschaft eintreten will, muss je nach der Grösse der Wohnung, die man beziehen will, eine gewisse Anzahl an Anteilscheinen zeichnen, dieses deponierte Geld bildet das harte Eigenkapital der Wohnbaugenossenschaft. Nach aktuellen Berechnungen wären das für eine 3 ½-Zimmer-Wohnung Anteilscheine im Wert von 40 000 Franken. Bei einem Wegzug wird dieses Geld wieder zurückerstattet. Dazu kommt die Miete. Wie hoch die ausfällt, kann Christoph Jacoby noch nicht sagen. «Die Mieten werden sicher auf einem tiefen Marktniveau für Neubauten sein. Als gemeinnützige Genossenschaft dürfen wir nur die Kostenmiete verlangen. Wir müssen ja niemandem Rendite ausschütten, Investoren sind wir Genossenschafter selbst.» Doch bei einer Wohnbaugenossenschaft wie der Sonnhalde geht es um mehr als vergleichsweise günstigen Wohnraum zu schaffen, zentral ist das gemeinschaftliche Leben, ein Wohnmodell, das gegenwärtig gefragt ist und zu Teilen schon jetzt auf der Sonnhalde stattfindet. Aktuell leben 17 Personen in der ehemaligen Haushaltungsschule und auch künftig sollen kulturelle Anlässe, wie das Bal Folk im vergangenen August, stattfinden. Auch der Gemeinschaftsgarten steht über den Gartenverein Sonnhalde der interessierten Öffentlichkeit offen. Aktuell werden noch Mitglieder gesucht. Auch die Wohnbaugenossenschaft selbst ist auf der Suche nach künftigen Genossenschafterinnen, die sich ein Leben in der Sonnhalde vorstellen können. Noch bis zum 12. Oktober 2026 kann gegen den Entscheid des Parlaments das Referendum erhoben werden. Womit nicht zu rechnen ist. Die Überbauung wurde sorgfältig im Workshopverfahren geplant und es wurden auch keine Einsprachen erhoben.  Für Worb könnte das Projekt neue Impulse setzen, wie verdichtetes Bauen auch funktionieren könnte. AW

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