Das Worber-Parlament hatte einigs auszudiskutierenBild: AW

Worber Politik: Zähneknirschen und ein Ja für die Demokratie

Am 14. Juni 2026 hat die Worber Bevölkerung über zwei Änderungen in der Gemeindeordnung abzustimmen. So sollen Jugendliche künftig die Möglichkeit bekommen ihre Anliegen mittels eines Jugendvorstosses vors Parlament zu bringen und im Worber Parlament soll ein Stellvertretungssystem für Ratsmitglieder bei einer längeren Abwesenheit eingeführt werden. Beiden vorlagen hat das Parlament grossmehrheitlich zugestimmt. Zähneknirschend gewährt wurde hingegen ein weiterer Kredit für die Spotzentrum Worb AG.

Seit einigen Jahren hat Worb keinen Jugendrat mehr, die Beteiligung sei zu gering gewesen.
Da das Interesse an Politik aber auch an die Möglichkeit geknüpft ist, sich an politischen Prozessen beteiligen zu können, bietet der Jugendvorstoss ein niederschwelliges Instrument, um diese Lücke wieder zu füllen. So ist die Motion der FDP im Juni 2024, die die Einführung des Jugendvorstosses forderte, im Parlament auf offene Ohren gestossen. So denn das Stimmvolk zustimmt, sollen Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren künftig die Möglichkeit bekommen ihre Anliegen per Motion oder Postulat ins Worber Parlament zu tragen. Bedingung ist, dass mindestens 40 Jugendliche diese Forderungen unterzeichnen. Ein wichtiger Punkt: Auch Jugendliche ohne Schweizer Staatsbürgerschaft können davon Gebrauch machen. Im Umkreis von Worb gibt es bereits Gemeinden, die über den Jugendvorstoss verfügen und damit durchwegs gute Erfahrungen gemacht haben. Während die Worber Parlamentarierinnen darin in erster Linie ein Mittel sehen, um Jugendliche früh mit demokratischen Prozessen vertraut zu machen, haben die Jungen durchaus konkrete Vorstellungen, wofür sie dieses Werkzeug nutzen könnten, wie eine nicht repräsentative Umfrage in der Jugendredaktion der Worber Post zeigt. Grundsätzlich wird die Einführung des Jugendvorstosses vom gesamten Jugendredaktionsteam befürwortet. Besonders Themenbereiche wie Schule, Einkaufsläden, Kinderbetreuung und Freizeit wurden genannt. Doch auch die Umsetzung von Umweltschutzprojekten ist ein wichtiges Anliegen, für das sich der Worber Nachwuchs künftig stark machen könnte. Über die breite Abstützung im Parlament freut sich besonders Gemeinderätin Elena Lanfranconi, FDP. Damals noch als Parlamentarierin war sie 2024 die treibende Kraft hinter der Motion. «Es freut mich sehr, dass wir nun über diese Vorlage abstimmen können. Der Jugendvorstoss gibt Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt einzubringen und erste Erfahrungen mit politischen Prozessen zu sammeln», lässt Lanfranconi in einer Pressemitteilung der FDP verlauten. Sie hofft nun, dass auch die Stimmberechtigten die Chancen erkennen und die Vorlage am 14. Juni annehmen.
Eine weitere Änderung in der Gemeindeordnung hat die Debattierlust im Parlament entfacht. Ebenfalls zur Abstimmung stehen wird die Einführung eines Stellvertretungssystems im Parlament. So würde die Vereinbarkeit von Lokalpolitik, Beruf und Familie verbessert, da die Ratsmitglieder bei einer längeren Abwesenheit wie beispielsweise wegen Elternschaft, Krankheit oder Aus- und Weiterbildung nicht mehr gezwungen wären von ihrem Amt zurückzutreten. Einen Haken hat die Vorlage aber. So ist aus Sicht der SP nicht ausreichend definiert, welche Konsequenzen eine Stellvertretung von Ratsmitgliedern hätte, die auch Teil des Parlamentsbüros oder einer Parlamentarischen Kommission wie der Aufsichts- oder Geschäftsprüfungskommission sind. In der Vorlage ist eine Stellvertretung in den Kommissionen nicht vorgesehen, was im Extremfall dazu führen könnte, dass die Kommissionen nicht mehr beschlussfähig sind. Aus diesem Grund hat die SP einen Rückweisungsantrag gestellt, um die Unterlagen einer erneuten Bearbeitung zu unterziehen. Womit aber der Abstimmungstermin vom 14. Juni nicht eingehalten werden könnte und sich auch die Abstimmung über den Jugendvorstoss nach hinten verschoben hätte, da beide Änderungen als Gesamtpaket vorgelegt werden. Wie Gemeindepräsident Niklaus Gfeller an der vergangenen Parlamentssitzung versicherte, könne dieses Problem nach der Abstimmung geregelt werden. Zugunsten des Jugendvorstosses wurde der Rückweisungsantrag schliesslich zurückgezogen.
Während die Änderungen der Gemeindeordnung auf breite Zustimmung stiessen, mutete die Bereitstellung eines Kredits von 500 000 Fr. für den Wislepark wie der Biss in den sauren Apfel an. Dieser Kredit wird in die Spezialfinanzierung von Freibad und Kunsteisbahn eingebracht und soll die Liquidität bis zur Umsetzung der anstehenden Sanierungen sichern. Da der Wislepark ein wichtiger Bestandteil der Worber Infrastruktur ist, haben die Ratsmitglieder den Kredit – wenn auch ­zähneknirschend – genehmigt. AW

Beitrag teilen:

Aktuelle Beiträge

Worb wächst – und mit ihm die Vielfalt der Mobilität. Mehr Velofahrende und E-Biker sind eine positive Entwicklung. Jede Initiative, die den Langsamverkehr attraktiver und sicherer gestaltet, liegt mir am Herzen. Denn wer entspannt und ohne unnötige Risiken auf zwei Rädern

Manchmal zeigen Wahlen mehr als nur Verschiebungen der Sitzverteilung. Die jüngsten Wahlen im Kanton Bern gehören in diese Kategorie. Die SP hat zugelegt: vier Sitze, neu 36 Mandate. Ein Resultat, das nicht vom Himmel gefallen ist, sondern aus Gesprächen, Präsenz,

Am 14. Juni ist wieder Abstimmung. Die masslose Zuwanderung bereitet mir Sorgen. Nicht nur weil alles überbaut wird, überall Stau herrscht und unsere Sozialsysteme überlastet werden, sondern meine Hauptsorge besteht darin dass die Selbstversorgungslage für Nahrungsmittel in der Schweiz bereits