Zeit

Die Zeit – ein Leben zwischen Stillstand und Geschwindigkeit. 

Ich schweife zurück in meine Jugendzeit. Eine Uhr am Handgelenk? Fehlanzeige. Erst nach der Konfirmation bekam ich eine, ein Geschenk meines Göttis. Aber was bedeutete mir die Zeit damals? Ich versuche mich zu erinnern.

Die Tage zogen sich langsam und schleppend dahin, die Sommerferien oder Weihnachten wirkten wie eine Ewigkeit, und das Warten auf den nächsten Geburtstag oder Zirkusknie-Vorstellungen war eine Geduldsprobe. Die Schule mit ihrem alltäglichen Rhythmus aus Unterrichtsstunden und Hausaufgaben gaben mir das Gefühl eines schleppenden Stillstands. Ich sehnte mich nach dem Erwachsensein, nach Freiheit, nach dem Moment, in der die Zeit endlich ins Rollen kommt. 

Und dann plötzlich beschleunigt und ändert sich alles für mich. Ausbildung, Lehre, Studium, Militärdienst beginnen, der erste Job wartet. Pläne müssen geschmiedet werden. Ein Termin jagt den nächsten, nur nicht faul sein! Keine Option.

Im Berufsleben dreht sich das Rad noch schneller. Meetings, Deadlines, To-do-Listen – die Zeit wird Mangelware, sogar zum kostbaren Gut, das sich kaum einfangen lässt. Es gibt immer etwas zu tun, immer etwas zu erledigen. Manchmal scheint der Tag einfach zu kurz für alles, was ansteht.

Dann irgendwann kommt der Moment, in dem sich die Zeit wieder verändert. Vielleicht mit dem Ruhestand. Plötzlich gibt es wieder mehr Zeit – aber diesmal rast sie weiter. Früher wartete ich darauf, dass sie vergeht, heute flieht sie vor mir. Die Tage verschwinden, Wochen verfliegen, Jahre rauschen vorbei. Sogar der Zeiger an der Worber Kirchenuhr scheint schneller zu laufen, und das Bierglas auf der Sternen-Terrasse ist seltsam rascher leer.

Die Zeit ist ein Paradox. In jungen Jahren wünschte ich mir, dass sie vergeht, und heute erkenne ich, wie unaufhaltsam und wertvoll sie wirklich ist. Vielleicht geht es am Ende nicht darum, mehr Zeit zu haben, sondern die Momente bewusst zu leben, die uns geschenkt werden.

HansBeck

HANS BECK

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