Anna Christen (zweite v. l.) und das Team der Schmökerei denken nicht ans Aufgeben. Bild: AW

Buchhandlung Zur Schmökerei: Am Scheideweg

Durch das veränderte Konsumverhalten und Einschnitte wie die Pandemie haben sich die Rahmenbedingungen für kleinere Ladengeschäfte teilweise dramatisch zugespitzt. Auch wenn die Schmökerei auf eine treue Stammkundschaft zählen kann, sieht es für die Buchhandlung am Bahnhofplatz düster aus. Wie es für die Schmökerei in Worb weitergehen kann, soll Ende Jahr entschieden werden.

Die Worte, die Anna Christen, Inhaberin der Buchhandlung Zur Schmökerei, in einer Pressemitteilung an die Medien richtet, klingen besorgniserregend. Mit den aktuellen Umsatzzahlen könne die Buchhandlung am Bahnhofplatz in Worb nicht mehr lange durchhalten. Nach dem sich die Buchshopping AG, welche die Buchhandlung und Papeterie von Regula Bener übernommen hatte, aufgelöst hat, eröffnete Anna Christen am 7. August 2015 das Geschäft unter neuem Namen. «Es ist spürbar, dass der Gemeinde und der Bevölkerung viel am Erhalt des Geschäfts liegt. Ebendiese Wärme und den entsprechenden Support durften wir als Team der neugegründeten Schmökerei nach der Eröffnung erfahren», so Anna Christen.

Einschnitt durch Pandemie
Nach einem guten Start war die Corona-Pandemie eine der ersten Hürden, die die Buchhandlung auf sich nehmen musste. Die damit verbundenen Lockdowns haben das Geschäft schwer getroffen. «Wir konnten zwar stets auf eine treue Kundschaft zählen, trotzdem waren wir gezwungen, um die laufenden Kosten weiter bezahlen zu können, einen Covid-Kredit aufzunehmen, den wir nun Schritt für Schritt abbezahlen müssen.» Der Kredit beläuft sich auf 60 000 Franken und muss innerhalb von 6 Jahren in vierteljährlichen Raten zurückgezahlt werden. Bei den üblichen Margen in Buchhandel und Papeterie bedeutet dies für die Schmökerei, dass neben den «normalen» Umsätzen, jährlich zusätzlich ein Umsatz von 30 000 Franken generiert werden muss.

Veränderte Bedingungen
Hinzu kommt, dass sich auch die Rahmenbedingungen für den Handel verändert haben. Zum Beispiel hat sich das für Buchhandlungen so wichtige Schulbuchgeschäft durch die Digitalisierung immer weiter weg vom gedruckten Buch verlagert. So ist die Buchhandlung nicht nur auf Privatkundinnen angewiesen, sondern auch darauf, dass sie von Institutionen berücksichtigt wird. Zudem haben sich durch die Inflation Beschaffungs- und Rohstoffpreise erhöht. Ausserdem hat sich durch den Onlinehandel und die neue Pop-up Papeterie im ehemaligen Hauswarengeschäft Rüfenacht die Konkurrenzsituation in Worb zugespitzt.«Auch wenn wir als unabhängige, lokale Buchhandlung mit Lieferzeiten und Preisen von Grossisten mithalten können und selbst einen Webshop betreiben – oft sind wir sogar schneller und günstiger –, weichen Individualkundschaft und Institutionen in der Beschaffung ihrer Materialien immer mehr auf Grossanbieter aus», fasst Anna Christen die Situation zusammen.

Wie und ob es mit der Schmökerei in Worb weitergehen kann, soll Ende Jahr entschieden werden. Eine Entscheidung, die der Stadtbernerin, die in der Postgasse in Bern auch die Klamauk Buchhandlung betreibt, nicht leicht fällt. «Wir setzen als Team alles daran, die Schmökerei zu retten und den Betrieb in Worb aufrechtzuerhalten. Wir verstehen uns als Teil des Dorfes und würden uns freuen, nicht nur das anstehende 10-jährige Jubiläum nächsten August mit allen zusammen zu feiern, sondern noch viele Jahre ein Teil von Worb zu sein.» Doch derzeit stünde man am Scheideweg. Für Worb wäre die Schliessung der Schmökerei ein herber Verlust. AW

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