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Der Teich in Vielbringen in der Bauphase. Bild: zvg

Neues Umweltkonzept: Die Natur im Zentrum

Die Gemeinde Worb stellt ein neues Biodiversitätskonzept vor. Obschon Worb in den vergangenen Jahren schon einiges für den Erhalt von Flora und Fauna unternommen hat, sollen mit dem neuen Konzept Richtlinien und konkrete Ziele in der Umweltpolitik erfasst und umgesetzt werden.

Eine artenreiche Umwelt hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, sondern ist auch Grundlage unserer Existenz. Während die einen vom Erholungswert einer vielfältigen Natur profitieren, sind insbesondere landwirtschaftliche Betriebe auf funktionierende Ökosysteme angewiesen, um auch in Zukunft gesunde Lebensmittel produzieren zu können. Durch menschliche Eingriffe in die Natur und den Klimawandel verzeichnet die Schweiz jedoch einen besorgniserregenden Rückgang der Biodiversität. So sind knapp die Hälfte der Lebensraumtypen und rund ein Drittel aller bekannten Pflanzen-, Tier- und Pilzarten bedroht. Denn bereits das Verschwinden einer unscheinbaren Insektenart kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Es besteht also Handlungsbedarf und das nimmt auch die Gemeinden in die Pflicht.

Aus diesem Grund hat die Umweltkommission der Gemeinde Worb ein Biodiversitätskonzept erarbeitet, in dem acht Ziele definiert sind, die es zu erreichen gilt. Darunter sind Punkte aufgeführt wie die Dokumentation und gezielte Förderung bestehender Naturwerte sowie Erhalt und Vernetzung der verschiedenen Lebensräume, die auf Gemeindefläche existieren. Das Konzept richtet sich an die Behörden und dient als verbindliche Planungs- und Arbeitsgrundlage. «Die Gemeinde will mit gutem Beispiel vorangehen, um auch Private zum Handeln zu motivieren», so Silvia Berger, Leiterin Planung und Umwelt von der Bauabteilung.

Es wird schon viel getan
Auf den ersten Blick steht Worb punkto Biodiversität nicht schlecht da, so können auf Gemeindegebiet immer wieder seltene Tier- und Pflanzenarten wie z.B. Eisvögel am Steckibach beobachtet werden. Tatsächlich werden in Worb bereits seit Jahren Massnahmen umgesetzt, die dem Biodiversitätskonzept entsprechen. So wird bei gemeindeeigenen Liegenschaften und Flächen auf naturnahe Bepflanzung geachtet und auf Schularealen werden Lebensräume und Brutstätten förderwürdiger Arten wie Turmfalken, Langohrfledermäusen oder Geburtshelferkröten erhalten und gepflegt. Des Weiteren werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Privaten, Freiwilligen und dem Kanton Neophyten bekämpft, was schon einige Erfolge verbuchen konnte. So kommen invasive Pflanzenarten wie das Drüsige Springkraut auf Gemeindegebiet kaum noch vor. Auch die Renaturierung der Worble kann zu den positiven Beispielen gezählt werden. Obschon bei diesem Projekt der Hochwasserschutz im Fokus stand, sind ökologische Grundsätze in die Umsetzung miteingeflossen. Ebenso wird die Landwirtschaft miteinbezogen. Seit 2018 bietet die Gemeinde ein Biodiversitätsförderprogramm an und macht die landwirtschaftlichen Betriebe in einem jährlichen Schreiben darauf aufmerksam. Das Programm beinhaltet Förderbeiträge und kostenlose Beratung für Landwirtinnen und Landwirte. Seit Bestehen des Programms konnten an die 100 Massnahmen, wie vor allem das Errichten von Stein- und Asthaufen, der Aufbau von Hecken oder der Erhalt von Hochstammobstkulturen, umgesetzt werden. Auch Privatpersonen ausserhalb der Landwirtschaft können von diesem Beratungsdienst profitieren. Auch da seien schon private Gartenbesitzerinnen beraten worden.

Bei all diesen Erfolgen stellt sich die Frage, wozu braucht Worb ein Biodiversitätskonzept? Das Konzept mache durchaus Sinn, wie Gemeinderat Adrian Hauser (die Mitte), Vorsteher des Departements Umwelt, ausführt: «Das Konzept bildet einen Rahmen, in dem die Gemeinde agieren kann. Ausserdem können so Steuergelder zielgerichtet eingesetzt werden.»

Durch die vorgesehene systematische Inventarisierung bestehender Naturwerte können auch Defizite sichtbar gemacht werden, die es in weiteren Schritten aufzuwerten gilt.

Die Natur in Siedlungsgebiete holen
Auch wenn das Biodiversitätskonzept in erster Linie behördenverbindlich ist, soll die Worber Bevölkerung aktiv mit einbezogen werden. Denn eine artenreiche Umgebung wirkt sich auch innerhalb von Siedlungsgebieten positiv aus. Wer im Garten Ast- und Steinhaufen anlegt oder auf Wildformen für die Balkonbepflanzung zurückgreift, tut nicht nur etwas Gutes für das eigene Gemüt, sondern bildet auch Lebensraum für Kleintiere und Insekten. Derzeit sind Informationskampagnen in Arbeit, die die Worberinnen und Worber auf das Thema Artenvielfalt aufmerksam machen sollen. So erscheinen seit Januar unter dem Label Energiestadt Worb Biodiversitäts-Tipps in der Worber Post. Neben interessanten Hinweisen auf das aktuelle Geschehen im Tier- und Pflanzenreich beinhalten sie auch Anregungen für die Garten- und Balkongestaltung. Für Interessierte bietet die Gemeinde in ihrem Onlinedienst verschiedene Merkblätter mit Anregungen zu Flora und Fauna rund ums Haus und ökologisch sinnvoller Bepflanzung an. Zudem besteht die Möglichkeit sich beraten zu lassen. «Ich gebe gerne Auskunft, wenn jemand fragt», sagt Silvia Berger. Aus­serdem gibt es in der Region mehrere Gartenbauer, welche sich die Ökologie auf die Fahne geschrieben haben. 

Über die Gemeindegrenze hinaus
Mit dem Biodiversitätskonzept setzt die Gemeinde Worb auf das Sichtbarmachen von für die Natur wichtigen Lebensräumen, dies soll mittels Informationskampagnen oder Hinweistafeln an besonders schützenswerten Stellen auf Gemeindegebiet umgesetzt werden. Ganz nach dem Motto, wer ein Bewusstsein für die Umgebung entwickelt, schützt diese auch. Projektwochen mit Schulen sieht das Konzept ebenfalls vor. So können Schulklassen bei Pflanzaktionen im Wald eingebunden werden. Denn gerade in den Wäldern wird die Pflanzung standortgerechter Arten in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Im Bereich Schulprojekte kann Worb bereits auf gelungene Beispiele verweisen. «Das Tümpelprojekt beim Schulhaus Vielbringen erachte ich als vorbildlich», so Silvia Berger. Es sei aus einem Zusammenspiel von sehr aktiven Schülerinnen und Schülern, einer engagieren Lehrerin und mit der Hilfe umliegender Landwirte, welche die benötigten Steine geliefert haben, realisiert worden. Auch die Gemeinde hat sich mit finanzieller Unterstützung und Fachwissen daran beteiligt.

Die Biodiversitätsförderung geht über die Gemeindegrenzen hinaus. Aus diesem Grund wird die Vernetzung mit anderen Gemeinden angestrebt für den Austausch und das Stemmen gemeinsamer Projekte. Mit diesem umfassenden Biodiversitätskonzept begibt sich Worb in eine Vorreiterrolle. Welche Früchte es tragen wird, wird sich in Zukunft zeigen. AW

Das Biodiversitätskonzept sowie Merkblätter zu den verschiedensten Themen können über den Onlinedienst der Bauabteilung bezogen werden: www.worb.ch/aemter/9708 

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