Fremdenhass auf Pflanzenebene?

Im Juni wurde mit der Gebührenrechnung die Beilage «Information Gartengestaltung und invasive Neophyten» verschickt.
Das Ziel war, die Bevölkerung über einige Inhalte des Gemeindebaureglementes vom 3.2.22 aufmerksam zu machen.
Womit ich nicht einverstanden bin ist, dass laut Reglement offenbar «sämtliche nicht einheimische Heckenpflanzen und Bäume» mit wenigen Ausnahmen nicht mehr gepflanzt werden dürfen. 
Da kommt mir die Frage auf, wie lange muss ein Strauch in der Schweiz sein, bis er als einheimisch gilt. So wird z.B. die weitverbreitete, langblühende, unproblematische und wunderschöne Hortensie als nicht einheimisch erwähnt. Laut Wikipedia begannen Zucht und Anbau von Hortensien als Zierpflanzen im deutschsprachigen Raum bereits im 18. Jahrhundert. 
Es gilt aber nicht nur ein Neupflanzungsverbot, sondern invasive Neophyten müssen z.T. sofort oder andere innerhalb von 5 Jahren entfernt werden. Dabei werden 16 Pflanzen erwähnt, darunter auch der Kirschlorbeer, der übrigens auch bereits seit 500 Jahren in Europa angepflanzt wird.
Wir haben vor 25 Jahren einen Kirschlorbeer gepflanzt, um unserem Wasserreservoir Schatten zu spenden. Dieser ist unterdessen zu einem gut 3 m hohen Strauch herangewachsen, der seinen Schattendienst perfekt leistet. Er braucht kein Gift und keinen Dünger, blüht jedes Frühjahr und dank seinen grossen, immergrünen Blättern setzt er zu jeder Jahreszeit viel CO2 in Sauerstoff um. In all den Jahren ist noch kein weiterer Kirschlorbeer auf unserem Grundstück erronnen und im nahen Worbbergwald habe ich erst einen wilden Kirschlorbeer entdeckt. Also so invasiv kann diese Pflanze gar nicht sein.
Demgegenüber steht mein einheimischer Buchs. Trotz Fallen, wo die männlichen Schmetterlinge des Buchsbaumzünslers im Seifenwasser ertrinken, muss ich den Buchs ca. 3 × jährlich mit BT spritzen, damit die Raupen elendiglich zugrunde gehen. Ich bin überzeugt, dass die Natur irgendwann lernt, dass man die fremdländischen Raupen fressen kann, und sich ein natürliches Gleichgewicht einstellt. Aber im Moment bin ich einfach froh, um den Kirschlorbeer, der so unkompliziert seinen Dienst tut!
Ich finde es wichtig und richtig, dass die Gemeinde auf wirklich invasive Pflanzen oder bei Berührung sehr giftige Pflanzen aufmerksam macht und man diese ausjätet, wenn sie überhandnehmen.
Aber dass man die Pflanzen per Gesetz verbietet, vor allem wenn die Auswahl so fragwürdig ist, finde ich massiv übertrieben!

Rita Götschmann, Worb

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