Vis-à-vis mit Renato Portner: Reise-Verliebter

Jedes Vis-à-vis ist anders. Dieses hier überrascht und freut mich ganz besonders. Schon in den ersten Sätzen entdecken wir eine grosse gemeinsame Leidenschaft: Korsika. Im Café Reinhard treffe ich Renato Portner, auch bekannt als «Bübu», einen Urworber mit Welterfahrung. Seinen Spitznamen bekam er mit fünf Jahren von seinem ältesten Bruder, «weil ich immer gerne gebubelet habe». Feuer mag er bis heute – es ist sein Lieblingselement.
Renato ist als Jüngster von fünf Geschwistern in Worb aufgewachsen. Sein Vater ist vor zwanzig Jahren gestorben, seine Mutter ist heute 88 – und wenn immer möglich besucht er sie einmal pro Woche. Worb ist er mehr oder weniger immer treu geblieben, auch wenn er viel in der Welt herumgekommen ist. Nach der Schulzeit absolvierte er die Lehre als Hochbauzeichner in Gümligen, in der Firma seines Vaters. Danach folgten RS und zwölf Jahre als Berufsoffizier. In dieser Zeit war er ein Jahr in den USA, in Missouri und Colorado, und bildete dort an einer Militärakademie Leute aus – eine intensive Phase. Irgendwann kam der Punkt, an dem genug Militärdienst war. Renato wechselte in die Mobilfunkbranche, wo er bis heute arbeitet – und dankbar ist für das, was er tut.
Doch ein grosser Teil seines Lebens spielt sich natürlich ausserhalb der Arbeit ab. Vor sieben Jahren kam er mit seiner Frau Danièle zusammen – nachdem sie sich bereits seit rund 35 Jahren kannten. Sie besuchten dieselbe Schule, nahmen sich schon damals wahr und begegneten sich später alle paar Jahre zufällig wieder: beim Zigarettenkaufen im Coop Pronto, irgendwo beim Einkaufen. «Aber unsere Zeit war erst viel später reif», sagt er. Am Badifest vor sieben Jahren fanden sie schliesslich zueinander. Heute fühlt sich diese Beziehung für ihn an wie ein Nachhausekommen. Danièle bringt zwei Kinder mit – und Renato ist in eine Familie hineingewachsen, was er als grosses Geschenk empfindet. Sie teilen viele Interessen: draussen sein, im Wald Pilze und Kräuter sammeln und daraus feine Gerichte zaubern.
Vor einiger Zeit haben sie sich einen Mercedes Sprinter gekauft, den sie nun gemeinsam zum Camper ausbauen – ein Herzensprojekt. In zwei bis drei Monaten soll er fertig sein. In ein paar Jahren wollen sie damit die Welt bereisen, auch einmal länger unterwegs sein, mit dem kleinen Zuhause immer dabei. Das einfache, entschleunigte Leben geniessen.
Reisen tun sie ohnehin gern – und ihr Lieblingsreiseziel ist klar: Korsika. Die Insel bietet alles, was sie lieben: Meer und Berge, den Duft der Macchia, Wälder, lange Strände und kleine, malerische Dörfer. Wenn möglich, reisen sie regelmässig dorthin, mieten sich auf einem Campingplatz ein Bungalow, kochen selbst, sitzen abends auf der Terrasse, reden, verweilen – und sind einfach. Für Renato und Danièle ist Korsika mehr als eine Feriendestination: Wenn sie jeweils zurück in die Schweiz fahren müssen, trauern sie regelrecht. Die Ferien sind für beide ein wichtiger Ausgleich zu ihrem intensiven Arbeitsalltag.
Nur mit der korsischen Küche musste Renato sich erst anfreunden. «Inzwischen geht’s ganz gut», sagt er schmunzelnd. «Ich nehme mir jeweils vor, pro Urlaub einmal ein Fischgericht zu essen – obwohl ich eigentlich Mühe mit Fisch habe.»
Und vielleicht ist das ja genau das, was Reisen ausmacht: sich Stück für Stück auf Neues einlassen – selbst dann, wenn es auf dem Teller liegt.

Aufgezeichnet von RAHEL VON DER DECKEN

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