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Bruno Wermuth auf seinem Hof. Seine Abwahl sieht er mit Gelassenheit. Bild: AW

Bruno Wermuth: «Gegenwind scheue ich nie»

Diesen Monat nimmt Bruno Wermuth seinen Abschied aus dem Gemeinderat, nach dem er bei den vergangenen Gemeindewahlen im September seinen Sitz zu Gunsten von Gemeindepräsident Niklaus Gfeller abgeben musste. Als Politiker hat er weder Kontroversen noch Gegenwind gescheut. So ist es auch, wenn es um die Landwirtschaft geht.

Bruno Wermuth gehört zu jenen Menschen, für die es keinen Stillstand zu geben scheint. Einer, der zupackt, wenn es etwas zu tun gibt und die Dinge nicht immer mit Ruhe, aber Sachlichkeit angeht. 19 Jahre war er für die SVP im Worber Parlament, 9 Jahre hatte er einen Sitz im Gemeinderat. Neben seinen politischen Ämtern war er unter vielem anderen Präsident des Dorfvereins Vielbringen und Feuerwehrkommandant in Rüfenacht und Vielbringen. Auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung hat er sich lange engagiert, war im Gremium, das Überbetriebliche Kurse organisiert hat, und gehörte der Aufsichtskommission an. Heute nimmt er noch Lehrabschlussprüfungen bei Biolandwirtinnen und Meisterprüfungen ab. Die Landwirtschaft sei zwar seine Leidenschaft, war aber nie sein Zentrum. Von sich sagt er, in die Landwirtschaft sowie in die Politik sei er hineingewachsen. «Mein Vater hat mich bei der SVP angemeldet.» Wie man das von ihm kennt, sagt er das mit einer entwaffnenden Offenheit. Heute lebt der Vater von 3 Kindern mit seiner Partnerin Corinna Bochsler und Hund Leo im Stöckli seines Biolandwirtschaftsbetriebes in Vielbringen. 2027 ist vorgesehen, dass sein Sohn Niklas den Hof übernimmt.

Der Biolandwirt
1988 übernahm er den Betrieb von seinen Eltern, im Jahr 2000 hat er auf Biolandwirtschaft umgestellt. Heute bewirtschaftet er mit einem Lehrling und seiner Partnerin 30 Hektaren Land und baut verschiedene Ackerkulturen wie Weizen, Urdinkel, Roggen, aber auch Karotten, Speisesoja und Kartoffeln an. Dieses Jahr wurden erstmals Belugalinsen angebaut. Beim derzeitigen Klimawandel sei Diversität wichtig, unterstreicht er. Anbau- und Wetterrisiken können so besser verteilt werden. Milchkühe hat er keine mehr, im neuen Stall sind Pensionspferde untergebracht. Wenn er über die Landwirtschaft spricht, kommt schnell der Gedanke auf, da hat einer seinen Traumberuf gefunden. Doch ursprünglich wollte er eine Kochlehre machen, eine Lehrstelle in Lausanne hatte er schon in Aussicht. Sein Traum war es Gastwirt zu werden und später vielleicht die Gaststätte seines Patenonkels in Laupen zu übernehmen. Doch dann sei alles anders gekommen, der Bruder, der eigentlich dafür vorgesehen war, den Bauernhof zu übernehmen, hat sich kurzfristig umentschieden. Bruno Wermuth ist in die Bresche gesprungen und absolvierte statt der Kochlehre die Ausbildung zum Landwirt. Aus heutiger Sicht bedauert er seinen Entscheid nicht. Als eine seiner besten Entscheidungen überhaupt sieht er die Umstellung auf Biolandwirtschaft. «Sie hat für mich als Landwirt neue Perspektiven gebracht, neue Herausforderungen und auch Zufriedenheit. Man spürt auch eine gewisse Wertschätzung von Seiten der Konsumenten.» Eine Wertschätzung, die konventionellen Landwirten oft verwehrt bleibt. Zu oft müssten konventionelle Betriebe als Sündenböcke herhalten, wie beispielsweise bei den Debatten um die Trinkwasserqualität oder Biodiversität. Themen, die aus der Sicht von Bruno Wermuth alle angehen, nicht nur die Bauern. «Es nützt nichts, wenn die Bauern ihre Probleme unter sich am Stammtisch diskutieren. Es ist auch nicht gut, wenn sich die Bauern immer wieder in der Opferrolle finden. Es ist wichtig, dass ein Bewusstsein gegen aussen geschaffen wird und man offen für einen Dialog ist. Man muss proaktiv auf die Konsumenten zugehen.» Sein erster Wunsch an die Konsumentinnen ist es nicht ausschliesslich Bioprodukte zu kaufen, sondern saisonale, im Inland produzierte Lebensmittel, und das müsse nicht ausschliesslich Bio sein.

Der Politker
1996 wurde Bruno Wermuth ins Worber Parlament gewählt. 2015 rückte er in den Gemeinderat nach. «Ich bin in die Politik, weil es mir wichtig ist, was in meiner Umgebung passiert und wie man mithelfen kann, die Gemeinde zu gestalten.» Um das Prestige, das seine Ämter mit sich brachten, ging es ihm jedoch nie, wichtig war ihm immer die Sache, die er gerne auch mal mit markigen Worten vertrat. Des Öfteren hat er sich auf die Äste hinausgewagt, wofür er mitunter Gegenwind in Kauf nehmen musste. Er ist keiner, der einer Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Dafür hat er eine einfache Erklärung: «Ich bin mit 11 Geschwistern aufgewachsen, habe 6 Schwestern und 5 Brüder. Da hat es regelmässig Diskussionsstoff gegeben.» 

Zunächst hatte er für kurze Zeit das Umweltdepartement unter sich. «Ich war gerne im Umweltdepartement. Die Thematik hat mir entsprochen.» Nach dem Tod seines Vorgängers 2016 wurde ihm nahegelegt das Baudepartement zu übernehmen, alles in allem eines der anspruchsvollsten Departemente in der Gemeinde. Triumph, wenn ein Projekt vom Grossen Gemeinderat genehmigt wurde, oder eine Niederlage bei einer Ablehnung, so eng sieht er das nicht. Wenn das Parlament entscheidet, sei das eben so und da so viele Projekte parallel laufen, hätte man auch nicht die Zeit, sich darüber zu ärgern. «Ich hadere höchstens damit, wenn viel Zeit verstreicht, bis ein Projekt umgesetzt wird, weil es dadurch teurer wird. Das hat mich mehr belastet als eine Niederlage. Da habe ich manchmal auch die Geduld nicht gehabt und bin etwas lauter geworden.»

2021 überraschte Bruno Wermuth mit seinem Parteiwechsel von der SVP zur GLP. «Ich war schon immer der grüne SVPler, mir sind diese Anliegen wichtig. Dadurch war ich immer etwas schräg in der SVP. Ich hatte aber die Illusion innerhalb der SVP etwas bewirken zu können, wenn es um grüne Anliegen ging. Da habe ich mich getäuscht.» Längerfristig habe er sich von der SVP als Biobauer und Politiker nicht mehr getragen gefühlt. In der GLP hat er schliesslich eine neue politische Heimat gefunden.

Mit seiner Abwahl aus dem Gemeinderat ist er im Reinen. «Klar, so eine Abwahl macht etwas mit einem und bereitet eine schlaflose Nacht. Für mich ist das aber gut so.» Bald wird er 64 und für ihn werde es Zeit mit der Politik aufzuhören, sich auf die Landwirtschaft und die anstehende Hofübergabe zu konzentrieren. Für Worb wünscht er sich, dass die nachhaltige Entwicklung weiter voranschreitet und nicht durch langwierige Prozesse behindert wird. «Wir müssen zu unseren Infrastrukturen Sorge tragen und weiter in sie investieren.» Was wünscht er für sich? Da muss er sich mit seiner Partnerin Corinna Bochsler beraten. Gesundheit? Das würden sich doch alle wünschen. Seine Antwort: «Friede in der Familie, das ist doch das Wichtigste.» AW

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