Lotto im Säli 

Früchtekörbe, Berner Platte, Würste, Käsespezialitäten aus lokalen Käsereien, Reisegutscheine – so liest es sich in den Herbst- und Wintermonaten in der lokalen Presse, wenn Lotto-Spiele von verschiedenen Vereinen organisiert werden. Leider sind solche geselligen Veranstaltungen in Worb und Umgebung aufgrund fehlender geeigneter Restaurants immer seltener geworden. Schade!

Ende der 60er-Jahre haben wir uns in Worb angesiedelt. Damals waren die lokalen Zeitungen überfüllt mit Lotto-Einladungen und führten zu einem regelrechten Lottofieber.

Als Neuankömmlinge haben wir an einem regnerischen Samstagabend entschieden, das Glück im Lotto zu versuchen. Im Restaurant Hirschen fanden die Spiele statt. Die Aussichten auf saftiges Fleisch klangen verlockend. Mit grosser Mühe haben wir im Säli noch zwei Sitzplätze gefunden. Die anwesenden Spielerinnen waren uns natürlich nicht bekannt und wir fühlten uns wie echte «Fremde». Wir kauften zwei Karten zu zwei Franken – dazu gab es eine Gratiskarte, somit spielten wir mit drei Karten. Zum Abdecken der Felder lagen auf dem Tisch bunte, gläserne Knöpfe. Und los gings! Der «Speaker» schüttelte nochmals kräftig den Sack mit den Zahlen. Totenstille in Saal und Säli. Mit kräftiger Stimme wurde Zahl um Zahl abgerufen. Eine unserer Karten füllte sich mit den bunten Glasknöpfen. Heiss und kalt lief es mir den Rücken runter. Mit zitternder Stimme rief ich schliesslich: «Lotto im Säli». Wir hatten den ersten Preis gewonnen. Eine grosse Hamme wurde mir übergeben. Die neidvollen Blicke und Gesichter der anderen Spielenden im Säli bemerkten wir in der hitzigen Aufregung kaum. 

Trotz unseres Glücks hatten wir ein ungutes Gefühl, die Lokalitäten mit einer Hamme einfach so zu verlassen. Wir kauften somit weitere Karten. Und dann passierte es: Wieder Lotto! Diesmal gewannen wir eine riesige Speckseite. Die Situation wurde zunehmend unangenehm. Die hämischen Blicke der anderen Spielenden liessen unsere Wangen glühen. Mein Tischnachbar tat mir leid, seine acht Karten führten zu keinem Glück. Schliesslich haben wir uns mit unserem Fleischberg «französisch» verabschiedet. 

Im Worber Bärensaal wird heute fast professionell Lotto gespielt. Die Zahlen des «Speakers» werden gross auf dem Bildschirm projiziert. Den Gewinnerinnen werden keine Naturalien ausgehändigt, die Preise werden bar ausbezahlt. Die routinierten Spieler decken bis zu 15 Karten ab, das sind weit über 60 Felder. Eine Herausforderung, die scharfe Augen und höchste Konzentration erfordert. Auch wenn Lotto nur ein Spiel ist, entfacht es stets grosse Emotionen. Für einen Moment betreten die Spielerinnen eine andere Welt, in der eine gezogene Zahl über Sieg oder Niederlage entscheidet. Und vielleicht ist es genau das, was das Spiel so zeitlos spannend macht. Auch ohne Hamme.

HansBeck

HANS BECK 

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