Die vier Jahreszeiten und ihre ­Traditionen

Etwas, das ich wirklich liebe, sind die vier Jahreszeiten. Ich mag diese geordneten Zugehörigkeiten der Monate und die süssen Früchte der Natur. Ich bin mir aber der Verdrängung des Klimawandels bewusst, vor allem wenn am Samichlaustag kein Schnee liegt, selbst in Berggebieten nicht. Wir nehmen viele Annehmlichkeiten des Klimawandels hin. Dinge, wie ein warmer bis heisser Oktober oder ein (zu) warmer Frühling – einen Winter ohne Schnee finden jedoch nur die Menschen gut, die auf Schnee nicht Autofahren können, aber das ist ein anderes Thema.

Die Gesellschaft verändert sich auch in der Ungeduld der Jahreszeiten. So wollen viele Menschen bereits im November über die verschneiten Pisten flitzen (selbst wenn aus Kunstschnee), sie wollen im Februar Spargeln essen und im August wird nach Wild geröhrt. Was bleibt, ist der Sommer – der kann nicht warm genug sein und wenn es im Sommer zwei Tage regnet, jammern wir schon. Doch sind es nicht genau die Dinge, die zu unseren Traditionen gehören, die Jahreszeit und das bewusste Leben in den Jahreszeiten?

Ich komme noch einmal zurück zum Samichlaustag und ich schreibe bewusst «Samichlaustag» und nicht «der 6. Dezember». Das ist nicht einfach ein alter Mann mit Mütze und weissem Bart, der aus dem Wald kommt und Mandarinen und Nüsse verteilt und kleinen Kindern Angst macht. Das ist eine Tradition, die zu uns gehört. Am Samichlaustag, so stelle ich schon länger fest, sieht man abends jedoch fast keine Kläuse mehr durch die Strassen laufen. Dafür sehen wir je länger, je mehr am 31. Oktober kreischende Kinder als Geister im Quartier rumlaufen und dauerhaftes Klingeln sollte einen animieren, mit Täfeli und Caramel vor die Türe zu gehen. Seit rund zwei Jahren werden die Kinder neu von den Erwachsenen begleitet – das wäre dann betreutes Halloween-Klingeln.

Nun, Halloween hat durchaus auch seine Geschichte, aber ich mag den Samichlaustag lieber. Und falls man es nicht merken sollte, ich halte von diesen importierten Traditionen sehr wenig. Schliesslich übernehmen wir auch nicht den Nationalfeiertag der USA am 4. Juli. Dies wäre nur halb so wild für mich, es ist nämlich mein Geburtstag.

TINA MÜLLER

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