Nachlese zur Jahresrechnung 2021

An der letzten Sitzung des Gros­sen Gemeinderats herrschte gros­ses gegenseitiges Schulterklopfen. Parlamentarier und Gemeinderäte beglückwünschten sich, dass die Rechnung 2021 nicht mit dem budgetierten Defizit von fast 2,5 Mio. Fr., sondern mit einem Plus von etwas über 700 000.– Fr. abgeschlossen hat. Es herrschte eitel Freude. Natürlich ist es immer gut, keine Defizite einzufahren, aber das triumphierend verkündete Resultat lenkt von einigen gravierenden Schwachpunkten ab. Zuerst einmal ist ein Vergleich mit dem Budget nicht aussagekräftig, da erfahrungsgemäss die Budgets «viel Luft» haben, was man dann «vorsichtig budgetieren» nennt, so dass es leicht ist, weniger auszugeben und mehr einzunehmen. Für 2021 war das besonders der Fall, da der Kanton wegen der Pandemie recht pessimistische Vorgaben machte, die sich dann als übertrieben herausstellten. Interessanter ist der Vergleich mit den Vorjahresrechnungen und da sieht es eher düster aus. Besonders beunruhigend ist der Rückgang der Steuereinnahmen um über eine Million. Dramatisch ist vor allem der Einbruch bei den natürlichen Personen um über 1,8 Mio. Fr. oder 7, 3%! Auch der Steuerertrag pro Einwohner ist bei sogar leicht sinkender Bevölkerungszahl um etwa gleich viel gesunken. Warum ist das so? Achselzucken! Der Gemeinderat scheint nicht interessiert zu sein, wie sich das Steuersubstrat der eigenen Gemeinde entwickelt. Der zweite negative Punkt sind die tiefen Investitionen. Statt wie budgetiert 7,8 Mio. wurden nur gerade mal 1,7 Mio. investiert. Das geht nun schon seit Jahren so – und der Investitionsstau wird immer grös­ser. Wenn man nichts investiert, ist es einfach, gute Ergebnisse zu erzielen. Hätte nämlich unsere Gemeinde so viel investiert, wie geplant war, hätten wir ein Defizit von über fünf Millionen eingefahren… Auch dieses unerfreuliche Ergebnis nimmt man mit einem Achselzucken hin und verweist auf die künftigen grossen Investitionen (Sanierung Worbboden), während beim Rest der Gemein­deinfrastruktur Stillstand und langsamer Zerfall herrscht. Etwas weniger Selbstzufriedenheit angesichts dieser wenig erfreulichen Lage und etwas mehr (selbst-)kritischer Geist täten dem Kleinen und Grossen Gemeinderat gut!

Jorio Marco

Marco Jorio,
Präsident GPK und Mitglied GGR

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