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Richigen von oben. Bild: zvg

Ortsteile der Gemeinde Worb: Traditionelles Richigen: gemeinsam werken, gemeinsam feiern

Nur 441 Einwohner zählt der Worber Aussenort Richigen, und doch gibt es 8 aktive Vereine:  Feldschützen, Frauenchor, Männerchor, Hornusser, Frauenverein, Milchproduzentengesellschaft, Viehzuchtverein und den Eishockeyclub Richigen-Bandits. Die bekannteste Richigerin ist Francine Jordi, Schweizer Sängerin und Komponistin von Schlagern und volkstümlicher Musik. Sie wurde 1977 als Francine Lehmann geboren und ist auch heute noch stark mit dem Dorf Richigen verbunden.

Samuel und Corinne Tüscher, die im Dorf sehr gut vernetzt und bekannt sind, sowie Marlise Zürcher, Margrit Bigler und Sandra Binggeli vom Frauenverein Richigen, haben über ihr Dorf gesprochen. 

Familie Tüscher
Corinne und Samuel Tüscher leben mit ihren zwei Buben in einem Bauernhaus mit Landwirtschaftsbetrieb, den er 2012 von seinen Eltern übernommen hat. Er baut Getreide, Kartoffeln, Raps und Gemüse an, Schweine und einige Hühner gehören ebenfalls zum Hof. Sein Gemüse verkauft er jeweils am Marktstand vor dem chinoworb. Corinne arbeitet zu 40% im Büro der Landi Moossee und kümmert sich zusätzlich um die Buchhaltung des eigenen Betriebs. Im Dorfleben von Richigen spielt Samuel Tüscher eine wichtige Rolle: Er organisiert mit allen Vereinen zweimal im Jahr ein Treffen, an welchem die kommenden Anlässe diskutiert und geplant werden. Er selbst organisiert den «Dorfempfang», wie er sagt: «Wenn jemand ans ‹Eidgenössische› geht, wenn eine Mannschaft erfolgreich ist, ob Hornusser, Schützen, Unihockey oder Curler, dann wird das Team von der Dorfgemeinschaft standesgemäss auf unserem Dorfplatz empfangen.»

Kaum Strukturwandel bei den Bauern, erfolgreiches Gewerbe 
Die strukturellen Veränderungen bei den Richiger Bauernbetrieben sind überraschend klein. Es gibt kaum weniger Betriebe als früher, lediglich ihr Fokus hat sich verändert. War noch vor 20, 30 Jahren fast jeder Betrieb ähnlich aufgestellt, d.h. man produzierte Milch und eine breite Palette an diversen Erzeugnissen, sind die meisten Betriebe heute klar spezialisiert. Es verbleiben noch 5 Milchproduzenten, welche Emmi beliefern, während der Ackerbau zugenommen hat. Inzwischen  wirtschaften viele Betriebe nach IP-Standard. Bekannt und beliebt in der gesamten Gemeinde Worb ist das Erdbeer-Selbstpflückfeld, das die Richiger Familie Bigler betreibt. Zum Richiger Gewerbe zählen verschiedene kleinere und grössere Firmen. Thomas Lehmann führt bereits in der vierten Generation einen Malerbetrieb. Die Hofstetter Zelt und Event AG, die neben Festzelten auch Tribünen für Grossanlässe baut, errichtete im Januar 2022 zum FIS Weltcup in Adelboden eine 5.200 m2 grosse Zeltstadt, und das bereits zum vierten Mal in Folge. Mit «Rototec» befindet sich auch ein Hersteller von Pumpen in Richigen, der Produkte mit spannenden Namen wie «Exzenterschneckenpumpen» oder «Schlauchquetschpumpen» herstellt. Eine Schreinerei befindet sich ebenfalls im Ort, sowie die Treuhandfirma Zürcher. Diverse Kleinbetriebe wie zum Beispiel eine Gartenbaufirma, ein Folienschriftwerk, Agrarhandel und Massagen findet man ebenfalls in Richigen. Am Ortsrand liegt die Viktoria-Stiftung, eine vom Kanton Bern anerkannte Einrichtung, die 36 Jugendlichen Plätze zur Verfügung stellt, wo diese in geschütztem Rahmen mit therapeutischer Begleitung wohnen, lernen und arbeiten. Schliesslich gibt es den Landgasthof «Rössli», der heute von Malaichchelvan Arunasalam, genannt Oski, geführt wird. Die Freude und Erleichterung ist gross, dass die historische Dorfbeiz auch in den schwierigen Zeiten erhalten geblieben ist.

Die Schule bleibt im Dorf
19 Kinder besuchen in einer Mehrjahrgangsklasse die Schule Richigen, die mit viel Engagement geführt wird. Noch 2007 wurde  die Schlies­sung der Primarschule geprüft, doch das ist heute kein Thema mehr. Nicht nur die Familien mit Kindern, sondern auch der Frauenverein ist froh, dass das  Schulhaus weiterhin als Begegnungsort und Vereinslokal, zum Beispiel für den Frauenchor, genutzt werden kann.

Es waren einmal …
… ein Bäcker, ein Metzger, eine Chäsi, ein Coiffeur und ein Gemischtwarenladen in Richigen. Zudem gab es drei Schreiner, eine Schmiede und eine Sattlerei. Richigen war aber vor allem ein Bauerndorf, wo jeder jeden kannte. Seit den 40er Jahren sind ca. 40 neue Häuser hinzugekommen, Neuzuzüger werden freundlich aufgenommen und zu den Vereinsanlässen eingeladen.

Der Frauenverein Richigen
Als der Frauenverein 1946 gegründet wurde, bestand seine Hauptaufgabe vermutlich in der gemeinsamen Unterstützung und Versorgung der Dorfgemeinschaft mit dem Nötigsten, denn die Frauen kochten regelmässig Suppen und strickten Socken. Während des Krieges waren 50 Polen in Richigen interniert, für die die Frauen Socken stopften und, auf einen Bittbrief hin, von General Gui­san persönlich 50 Franken für den Kauf für Wolle bekamen. Heute zählt der Verein 99 Mitglieder, organisiert Pilateskurse, Adventsfenster und Adventsfeiern für Senioren. Kurse und Workshops werden gemeinschaftlich mit den Landfrauen Worb organi­sert. Den Suppentag gibt es auch heute noch, dann gehen die Richiger Schulkinder von Haus zu Haus und sammeln Gemüse oder Geld für den Suppentag. Es ist der Koch der Viktoria-Stiftung, der an seinem freien Tag eine Erbsmus-Suppe zubereitet, die dann verkauft wird. Der Erlös geht an die Richiger Primarschule.

Der Zusammenhalt ist einzigartig
Die Menschen in Richigen sind offen und hilfsbereit, engagiert und immer füreinander da, betonen alle befragten Personen. Dies wurde 2015 deutlich, als Richigen das mittelländische Schwingfest organisierte, denn das ganze Dorf half dabei, den Riesen-Anlass zu einem Grosserfolg zu machen. Als Erinnerung daran findet noch heute jedes Jahr im Sommer das Brunnenfest statt. Bei Anlässen ist die Hilfsbereitschaft untereinander ausserordentlich gross. Am 1. August helfen alle Dorfbewohner beim Holzen für das 1.-August-Feuer,  beim Aufbauen des Festzelts, der Tische und Bänke. Sogar ihren Strom kaufen die Richiger Einwohner gemeinsam als «Licht- und Kraftgenossenschaft» ein. Eindrucksvoll ist dieser Gemeinsinn besonders bei den Bauern. Einmal im Jahr ernten sie miteinander  einen Grossteil des Richiger Maises. Eine gemeinsam gemietete Maschine hackt und presst den Futtermais auf dem Dorfplatz zu Ballen, und jeder, der einen Traktor besitzt, hilft beim Transport der Ballen zu den Bauern. Für die Kinder ist dieser Anlass jeweils ein Highlight.  So lernen sie früh, mitzuhelfen und sich umeinander zu kümmern. Wie stark der Gemeinschaftssinn schon bei den Kindern ausgeprägt ist, zeigt sich im Schulalltag, wenn die älteren Schulkinder sich jeden Morgen am Brunnen versammeln, um mit den Velos gemeinsam nach Worb zu fahren.  «Richigen hat eine intakte Dorfgemeinschaft», sagt Corinne Tüscher. «Es ist auch heute noch ein bisschen heile Welt.» KS

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