Der Tageselternverein Region Worb löst sich auf, doch das Angebot der externen Betreuung in Tagesfamilien sowie beide Vermittlerinnen, alle Betreuungspersonen samt der bereits bestehenden Betreuungverhältnisse werden ab 1. Mai 2025 von «Emme Plus» übernommen, einer deutlich grösseren Organisation zur Kinderbetreuung mit Sitz in Langnau. Die Präsidentin des Tageselternvereins, Prisca Lüthi, wird im Vorstand von «Emme plus» die Worber Familien weiterhin vertreten.
Wer kümmert sich um die Kleinen, während die Eltern beispielsweise zu Randzeiten im Gastgewerbe arbeiten oder die alleinerziehende Mutter im Spital Schichtdienst hat? Für viele Eltern ist die Betreuung in einer Tagesfamilie die einzige Lösung, denn nicht jeder verfügt über Grosseltern oder Tanten, die diese Aufgabe übernehmen können. Eine verlässliche, konstante Bezugsperson ist für Tageskinder von grosser Wichtigkeit. Deshalb wurde der Tageselternverein der Gemeinde Worb im Jahr 1990 durch die Initiative sozial engagierter Familien ins Leben gerufen. Er ist eine Non-Profit-Organisation und besteht aus Aktivmitgliedern, zusammengesetzt aus Betreuungspersonen und Eltern, einem Vorstand und einer Geschäftsstelle.
Seit der Gründung wuchs er kontinuierlich, bis vor einigen Jahren der Betreuungsbedarf und damit die Zahl der Tagesfamilien wieder abnahm. Heute setzen sich noch 13 qualifizierte Tagesfamilien für eine professionelle familienergänzende Kinderbetreuung in Worb und Umgebung ein. Ein erster Umbruch erfolgte 2013, als die ASIF-Verordnung eingeführt wurde und damit, gemeinsam mit der KESB, Rahmenbedingungen aufgestellt wurden. In diesem Jahr wurde Prisca Lüthi Präsidentin des Tageselternvereins. «Es ist ein vielseitiges Amt mit spannenden Kontakten. Wir konnten sehr viele Familien während all dieser Jahre begleiten und auch bei Behörden, der KESB oder der Gemeinde beratend unterstützen», sagt Prisca Lüthi. Und sie fügt hinzu: «Mir begegneten sehr unterschiedliche Geschichten, Weltansichten und Bedürfnisse, dazu hat jedes Kind einen anderen Charakter. Es ist eine sehr interessante Tätigkeit.» Lange Zeit hatte der Verein eine stabile Zahl an Mitarbeitenden, es gab einen Leistungsvertrag mit der Gemeinde Worb, die ein regelmässiges Controlling durchführte.
Gründe für den Wechsel
Dass der Tageselternverein sich nun auflöst und seine Dienstleistungen an Emme plus überträgt, hat mehrere Gründe. Zum einen sinkt die Anzahl von Familien, die sich bereit erklären, Kinder zu betreuen. Doch auch das Angebot zur Kinderbetreuung ist weniger gefragt. Beides ist mit einem Anstieg an Reglementierungen zu erklären, es gibt verschiedene neue Auflagen vonseiten des Kantons, was einen Mehraufwand für betreuende Familien und den Verein bedeutet. Andererseits übernehmen heute vermehrt auch Väter Betreuungsstunden, und die Zahl der hütenden Grosseltern hat seit der Pandemie ebenfalls zugenommen. Seit 1.1.24 ist der Verein ausserdem steuerpflichtig. Was genau das bedeutet, wie hoch die Steuern sein werden, kann zurzeit noch niemand sagen. Ab dem 1. Juli sind Tagesfamilien zudem bewilligungspflichtig, und der Verein hat seit 2021 trotz steigender Kosten keinen Teuerungsausgleich bekommen. «Der Kanton hat uns neue administrative Auflagen gemacht, die sich erst ab einer gewissen Grösse lohnen», sagt Prisca Lüthi. «Wir haben im letzten Jahr rund 41 000 Betreuungsstunden vermitteln können, doch erst ab 50 000 Stunden lohnt sich der administrative Mehraufwand für unseren Verein.»
Keine Änderung für Eltern und Kinder
Der Verein «Tagesfamilien Emme plus» wurde 1991 gegründet. Rund 100 Mitarbeitende betreuen ca. 300 Kinder aus 200 verschiedenen Familien. Da der Verein die Vermittlerinnen, die Betreuungspersonen und abgebenden Eltern übernimmt, ändert sich für Eltern, die ihr Kind bereits extern betreuen lassen, nur der Name der Organisation, denn das gebuchte Paket bleibt gleich. Emme plus bietet seinen Mitarbeitenden ähnliche Konditionen wie der TEV, die Löhne sind sogar etwas höher. Die Eltern werden für die ausserfamiliäre Betreuung allerdings etwas mehr zahlen müssen als bis anhin, denn die Kosten sind in allen Lebensbereichen gestiegen. Worber Familien, die das Angebot an Tageseltern nutzen, werden auch weiterhin bestens vertreten, denn Prisca Lüthi nimmt im Vorstand von «Emme plus» Einsitz. KS
Weitere Informationen sind auf der Webseite von Emme plus zu finden:
tagesfamilien-emme-plus.ch