«Seite an Seite mit Vierbeinern, Federkleidern und Schuppenhaut, von Kindesbeinen bis jetzt und weiter. Im Kindergarten sah ich einst eine verletzte Biene, die auf dem Rücken lag und mit den Flügeln zappelte. Ich wollte sie umdrehen – und wurde gestochen. Das hat meiner Tierliebe jedoch keinen Riegel vorgeschoben.
Mein Vater war Architekt, hätte aber gerne einen Bauernhof gehabt. Den halben Zoo hatte er dank mir: Bitte-gärn gscheh.
Nur meine Schlange fanden meine Eltern nicht so toll. Aber sie haben mich machen lassen – merci viu mau!
Hunde hatten für mich immer eine besondere Bedeutung. In der ersten Klasse habe ich den Nachbarshund gehütet – einen Jagdhund, also nicht gerade ein Sofakissen. In der vierten Klasse stiess Gina zur Familie: eine Mischlingshündin, in der wohl alles drin war, was man mischen kann. Ich brachte ihr Kunststücke bei, sie konnte sich auf Kommando verstecken und High-Five geben.
Nebst Tieren gab es in meiner Kindheit auch weniger Wichtiges. So zum Beispiel Schule und Berufswahl. Als Kind wollte ich Polizistin oder Schauspielerin werden – aber mein Weg verlief anders. Ich machte eine Detailhandelslehre in der Landi.
Während der Lehre holte ich mir meinen ersten eigenen Hund. Sie lebte in einer Blockwohnung bei einer Halterin, die kaum Zeit, Platz oder Geduld für sie hatte – ich nahm sie gleich mit – von da an Luna und ich.
Ich ging mit Luna in die Hundeschule. Alls mich der Trainer fragte, was ich mit ihr vorhatte, sagte ich: Vielleicht wird sie ja mal ein Begleithund. Seine Antwort: Vergiss es!
Jahre später war ich bei einem Wettbewerb als Richterin im Einsatz – jener Trainer stand mit einem Hund vor mir. Ich hätte ihm gerne erzählt, dass Luna zweimal Schweizer Meisterin als Fährtenhund wurde – liess es aber sein.
Als meine erste Tochter auf die Welt kam, kündigte ich meinen Job als Filialleiterin und machte meinen Nebenberuf als Hundeführerin im Sicherheitsdienst zum Hauptberuf beim Flughafen Belp. Dazu war ich bei diversen Vereinen als Übungsleiterin aktiv, bildete mich zur Tierpflegerin weiter und gründete schliesslich den Hunde-Führer: Hundeschule und Tierpension. Wer in die Ferien fährt, kann seine Tiere bei uns unterbringen.
Einmal haben zwei Männer ihre Hunde bei mir in die Pension gegeben, ohne sich zu kennen. In den Ferien trafen sie sich zufällig, kamen ins Gespräch und gerieten darüber in Streit, wer seinen Hund in die beste Pension gebracht hat. Lustig war, als sie herausfanden, dass beide Hunde bei mir untergebracht waren. Zufälle gibt’s …
Und dann kam dieser eine Anruf …Der Schäferhund-Club Bern fragte mich unerwartet an: Ein Hund für eine Filmproduktion sei ausgefallen – ob ich mit meinem Hund einspringen könne. Am nächsten Tag sollte er am Set sein. Es war verrückt spontan – ich nahm die Herausforderung an.
Seitdem haben meine Hunde in verschiedenen Sets mitgespielt, unter anderem in Landesverräter, Tatort und Wilder. Schliesslich habe ich es noch selbst auf die Leinwand geschafft: Sprechrolle in Wilder – den Text habe ich auf der Autofahrt zum Set auswendig gelernt. Kindheitstraum «Schauspielerin» auch noch mitgenommen – check.
Es gibt auch Menschen in meinem Leben: Ein Hund war es, der mich mit meinem Mann vor über 18 Jahren verkuppelt hat. Unsere ältere Tochter geht bald mit einem unserer Hunde nach Portugal zur Weltmeisterschaft, die jüngere würde später gerne die Tierpension übernehmen.
Arbeit und Privatleben werden von einer verschwommenen Linie getrennt. Auch die Erziehung bei Hund und Kind zeigt Parallelen auf – diese Aussage mit Ougezwinkere geniessen. Hunde brauchen eine schnelle, logische Konsequenz – Menschen können diskutieren und reflektieren. Ich erinnere mich noch, als ich mit meiner Tochter im Kinderwagen unterwegs war. Sie hat etwas gut gemacht – und beinahe hätte ich ihr aus Reflex ein Gutzeli in den Mund gesteckt.
Aufgezeichnet von
MARTIN FONTANELLAZ