Von Worb nach London

Heute melde ich mich bei Ihnen aus dem fernen London. Im Rahmen meines Studiums verbringe ich eine begrenzte Zeit hier und darf Grossstadtluft schnuppern. Das erste Mal in meinem Leben bin ich länger als nur für Ferien in einer Stadt, die 747 km weit entfernt von Bern ist und 8,9 Millionen Einwohnenende zählt. Statt dem gemütlichen blauen Bähnli nehme ich hier laute Underground-Fahrzeuge, im Public Transport begegne ich einer bunten, grossen Diversität an durchschnittlich jüngeren Menschen verschiedenster Herkunft, im Laden zahle ich mit Pounds und habe stets den Wechselkurs zu Franken im Kopf. Unwissentlich habe ich mir eine sehr ereignisreiche Zeit für meinen Aufenthalt ausgesucht: Der Tod von Queen Elisabeth II, die kurze Amtszeit von Liz Truss und die Amtseinführung von Rishi Sunak. Trotz dieser Turbulenzen erlebe ich die Londonerinnen als locker und lustig in ihrem Umgangston, herzlich und stets hilfsbereit. Jedoch muss ich zugeben, dass es mich anfangs verwirrt hat, selbst von der Serviererin in einem Restaurant «my love» oder «darling» genannt zu werden. Gerne möchte ich eine Beobachtung mit Ihnen teilen, die mich zum Nachdenken angeregt hat: Ich habe den Eindruck, dass die jungen Menschen hier sehr viel weniger politisiert sind als die Jugend in der Schweiz. Während ich mir hier Gedanken zum politischen Geschehen in Worb mache, an Interpellationen und Postulaten arbeite und normalerweise in Bern mit Freunden regelmässig Gespräche über politische Themen führe, bekomme ich hier auf Fragen über Politik meist die Antwort «I am not really into politics.» oder «I don’t know a lot about politics». Um ehrlich zu sein, ist das nicht sehr verwunderlich, da die Bevölkerung hier nur alle paar Jahre wählen darf, während wir in der Schweiz mehrmals pro Jahr wählen bzw. abstimmen können. Mir zeigt das, wie wichtig es ist, die jungen Menschen mit ins politische Geschehen einzubeziehen und deren Fähigkeit, sich eine differenzierte Meinung zu bilden, zu diskutieren, sowie deren Interesse am politischen Geschehen zu fördern. Aus dieser Perspektive ist es besonders schade, dass das Stimmrechtsalter 16 im Kanton Bern gerade erst abgelehnt wurde. Ob nun viele politische Diskussionen oder nicht, London ist eine vielfältige und spannende Stadt und ich kann es allen nur ans Herz legen, diese Stadt selbst zu erleben.

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PAULA GÜNTHER

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