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Worber Geschichte: Grab im Gartenteich

An der Mühlackerstrasse wurden im vergangenen Frühling die Reste eines ca. 3300 Jahre alten Grabes gefunden. Noch ist die Auswertung der Artefakte nicht vollständig abgeschlossen. Trotzdem gewährt der Fund neue Einblicke in die lange Siedlungsgeschichte von Worb.

«Es war schon eine Überraschung, als mir bewusst wurde, was ich da gefunden habe», sagt Manuel Aeschbacher, während er über den Schwimmteich blickt, den er im Garten angelegt hat. Der 39-jährige Mikrotechnikingenieur lebt mit seiner Familie und den Eltern an der Mühlackerstrasse und dachte an nichts Böses, als er mit Freunden letzten April die Bauarbeiten im Garten begann. Nachdem die Grube mit dem Bagger ausgehoben war, erweiterte Manuel Aeschbacher den Rand noch mit der Hacke. Dabei stiess er auf einen Gegenstand, der wie ein Nagel aussah, und einen Bronzearmreif, den er zuerst für ein verlorenes Schmuckstück seiner Grossmutter hielt, da der Reif so modern wirkte. Doch beim zweiten Hinsehen kam ihm der Verdacht, dass die Fundstücke älter sein könnten. Er meldete den Fund beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern und bald hatte er die Bestätigung, die gefundenen Schmuckstücke stammen aus der Bronzezeit.

Ab dem 21. Mai führte ein Grabungsteam eine umfassende Untersuchung im Garten der Aeschbachers durch, dabei kamen Reste einer Brandbestattung, wie es für die Spätbronzezeit typisch ist, zum Vorschein. Nach einer Woche waren die Grabungsarbeiten abgeschlossen und der Schwimmteich konnte ohne weitere Verzögerungen vollendet werden.

Eine kleine Sensation

Neben dem Armreif und der Schmucknadel, die Manuel Aeschbacher gefunden hat, konnte das Grabungsteam noch einen weiteren Armreif, kleinere Bronzeobjekte, die Spuren von Feuer aufweisen, sowie einen Tontopf und kleine, verbrannte Knochenfragmente bergen. Des Weiteren konnte die Grube, in der die Asche der verstorbenen Person mit den Grabbeigaben beerdigt wurde, lokalisiert werden. Der Fund, bei dem es sich vermutlich um ein Frauengrab handelt, fällt in die späte Bronzezeit und ist ungefähr 3300 Jahre alt. Genaueres kann nach der C-14 Datierung gesagt werden.

Auf den ersten Blick mag dieser Fund nicht spektakulär sein, doch wie Regine Stapfer vom Archäologischen Dienst Bern bestätigt, handelt es sich bei dem Fund um das erste Grab aus der Bronzezeit innerhalb von Worb Dorf. Sie selber war nicht persönlich an der Grabung beteiligt, doch als Leiterin des Ressorts Prähistorische- und Unterwasserarchäologie hat sie das Projekt wissenschaftlich begleitet. Derzeit sind die Fundstücke in der Konservierung und warten auf die Reinigung und Auswertung. Die Ergebnisse sollen nächstes Jahr im Jahrbuch des Archäologischen Dienstes publiziert werden.

Ob es sich bei dem Fund an der Mühlackerstrasse um ein Einzelgrab handelt oder ob es zu einer Gruppe von Gräbern gehört, kann Regine Stapfer nicht mit Gewissheit sagen. Weitere Grabungen sind nicht geplant. Bei Bauprojekten in oder um Archäologische Fundstellen wird der Archäologische Dienst in der Regel bereits ab der Eingabe des Baugesuchs aktiv und nimmt Sondierungs- oder Rettungsgrabungen vor, um Bauverzögerungen möglichst zu verhindern. Bei Zufallsfunden wie im Garten der Aeschbachers rät Regine Stapfer: «Die Stücke nicht reinigen und am besten in einen Gefrierbeutel packen, damit sie feucht bleiben und den Fund beim Archäologischen Dienst melden.» Denn Bodenschätze dieser Art sind Eigentum des Kantons und somit meldepflichtig.

Heute erinnert nichts mehr an die Aufregung, die der Grabfund verursacht hat. Der Schwimmteich ist längst fertig gestellt und an der Stelle, wo das Grab gefunden wurde, liegt heute ein grosser Stein. «Den Stein haben wir aber unbewusst so platziert», versichert Manuel Aeschbacher. AW 

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